Ich habe einen Koffer

Fabiano_Bressan_New_York

Foto: © Fabiano Bressan

von Bettina Conci

Ich habe einen Koffer. Er ist aus Hartplastik, leuchtend rot und hat Rollen. Ein bisschen alt ist er schon, und genau genommen ist es auch nicht mein Koffer, denn ich habe ihn geschenkt bekommen. Es ist ein guter Koffer, wurde mir gesagt, mit ein paar Gebrauchsspuren, aber noch intakt und brauchbar.

Der rote Plastikkoffer war bereits in Sri Lanka und auf ein paar griechischen Inseln gewesen, bevor er in meinen Besitz gelangte. Er hatte meine Eltern auf ihrer Hochzeitsreise begleitet und problemlos in jedes Auto gepasst. Auch war er überraschend leicht.

Unmittelbar, nachdem ich ihn bekommen habe, habe ich den Koffer weiterverliehen.

Der Amerikaner war eine Erasmusbekanntschaft. Wir hatten uns in Madrid kennengelernt und ineinander verguckt, bevor wir weiterzogen. Er nach Südkorea, um Englisch zu unterrichten, und ich zurück nach Hause, um mein Studium zu beenden. Der Kontakt blieb aufrecht, und so kam es, dass er mich einige Jahre später besuchen kam, mit nichts als einem Karton mit seinen wichtigsten Habseligkeiten im Gepäck und dem schalen Geschmack einer vergangenen Liebe behaftet. Die Erwartung hielt der Wirklichkeit nicht stand und ich es nur drei Tage mit ihm aus. Der schäbige Karton mit seinen Sachen zerfiel vor unseren Augen wie das Bild, das wir voneinander gehabt hatten.

Am Bahnsteig wartete ich ungeduldig, bis der Zug Richtung Mailand Malpensa um die Ecke gebogen und der rote Koffer nicht mehr zu sehen war. Dann atmete ich auf.

Ich habe einen Koffer. Er ist aus Hartplastik, leuchtend rot und hat Rollen. Darin liegen einige alte, löchrige T-Shirts und ein Paar elegante Schuhe, ein Stapel Englischbücher und ein Rasierapparat. Und ein paar verstaubte Erinnerungen.

Ich habe einen Koffer. Er steht jetzt in New York.

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Der rote Koffer

Koffer_Kater_Crepaz

von Gabriele Crepaz

Wir teilen uns einen Koffer. Ein kleines Ding von der Art einer Reise-Bonbonniere, zweifellos als Einzelstück gedacht für einen Einzelmenschen. Großspurig könnte es als Beauty Case durchgehen, wie es einem zufälligen Reisegefährten einfiel, als er fragte: „Und wo ist der Koffer mit Ihren Kleidern?“ Ein leuchtend roter Fleck, den ich damals hinter mir herzog, neu auf schnurrenden Rollen, heute ausgeleiert vom Gewicht des Reisens, in der Begleitung fremder Koffer aufgerieben und angeschmiert vom Aufkleber einer penetranten Fluggesellschaft. Erbeutet und zerbeutelt.

Der Koffer gehörte mir, als ich ihn erwarb. Allein mir. Er war meiner, als ich ihn heimtrug, auch noch im Stiegenhaus und als ich ihn in der Wohnung abstellte. So lange bis ich im Schlafzimmer den Deckel aufschlug. Ich sah ihn, wie er um den Koffer herumschlich. Anstandshalber wartete er, dass ich meinen Pyjama hineinlegte. Dann faltete er seidig seinen Körper darüber. Niedlich, dachte ich noch, obwohl er mich gleichgültig fixierte, aus seiner Thronhaltung, als ich mit Strümpfen und Unterwäsche vor ihm stand. „Hau ab“, sagte ich streng. „Niemals“, er. Spinner!? Mir egal! Nun? Nein! Ein neuer Machtkampf? Schlimmer: Ich spielte den Clown, er war die Sphinx.

Als er endlich aufstand, gehörte der Koffer ihm. Seine Trophäe roch streng und dunkel und nass aus den Streifen meines Pyjamas. Ich fluchte. Er zog powackelnd ab.

Das Duell war entschieden. Ich besitze den Koffer. Er besetzt ihn. Auf immer. Kein Putzalkohol hilft, wenn es darum geht, den Schiedsrichter im Gehirn zu überlisten. Er hat seine Marke gelegt. Nichts Beschreibbares, nur eine Nasensache mit direktem Draht zum Limbischen System. Egal wie lang eine Reise auch sein mag, egal, welche Düfte ich mitbringe, der Koffer riecht ihm vertraut.

Jede Begrüßung nach meiner Rückkehr ist eine Farce, die er mir zuliebe mitmacht. Denn er war sich die ganze Zeit über meines Koffers sicher.

Es ist Rache, denke ich. Von einem, der sich kaum traut, die Treppen hinunter ins Freie zu laufen. Der sich im Haus verschanzt und nur den Sprung aufs Dach wagt, wo er sich mit den Krähen streitet und diesen feindselig nachsieht, wenn sie zurück in den Himmel fliegen. Der vom Fensterbrett aus beobachtet, wie sich unter ihm die Welt bewegt.

Er lässt reisen und erschnuppert die Welt aus den Gerüchen, die mit dem Koffer zurückkommen. Während wir so tun, als zögen wir mutig in die Welt hinaus, dafür jedoch in den Koffer die Vertrautheit von zu Hause einpacken, um uns draußen nicht verloren zu fühlen. Das Nest für unterwegs. Der Geruch der kleinen in der großen Welt. Und es fällt uns im Traum nicht ein, einen fremden Koffer vom Band zu ziehen. Den Geruch eines anderen. Pyjama, Parfüm, Pissspuren. Wir warten, bis der eine Koffer kommt.

Mein Koffer. Der schöne Schein ist alles. Neuerdings klappe ich den Koffer zu, während ich packe. Oder sperre den Besetzer aus dem Zimmer, wenn ich mich anschicke zu verreisen. Das wirkt. Bis ich den Koffer im Hotel öffne und ein rotblondes, drei Zentimeter langes Haar auf meinen schwarzen Sachen finde. Und noch eines. Und noch ein weiteres.

Wir teilen uns einen Koffer. Mein Kater und ich.

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Nur Fliegen ist schöner

Robert Asam

Von Robert Asam

So etwas kann nur jemand behaupten, der noch nie als Gepäckstück durch die Welt geflogen wurde. Ich hasse Flugreisen! Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch, aber masochistische Instinkte waren bei mir noch nie besonders ausgeprägt. Ich halte als Hartschalenkoffer einiges aus. Ich bin kein Weichei. Aber wer lässt sich schon gern andauernd durch die Gegend werfen. Das fängt schon damit an, dass mich mein Besitzer so schnell es geht meinem Schicksal überlässt. Dann stehe ich auf einem Laufband, das die blöde Angewohnheit hat, ruckartig anzufahren, und sofort um die Ecke zu biegen. Ich weiß, dass das kommt, aber ich kann nichts dagegen tun und falle auf die Schnauze. Schnauze ist vielleicht übertrieben, aber es haut mich mit voller Wucht zur Seite. Anschließend werde ich durch irgendwelche dunklen Schächte oder Rohre befördert, auf einen Transporter geworfen, um dann nach kurzer Zeit erneut auf einem Förderband zu landen. Andauernd packt mich irgendein grober Klotz und zerrt und reißt an mir herum. Dann verbringe ich Stunden in einem stockfinsteren Frachtraum, womöglich in Gesellschaft eines Rucksacks, der noch nie ein Stück Seife gesehen hat, muffigen Taschen und eingedrückten Pappkartons. Möchten Sie in solcher Gesellschaft reisen? Mit etwas Glück liege ich halbwegs bequem, aber häufiger ganz unten. Zum Glück habe ich eine harte Schale. Wenn es wieder hell wird und ich frische Luft bekomme, beginnt die ganze Prozedur von vorn, natürlich in umgekehrter Reihenfolge.Robert Asam Koffer„Wer eine Reise tut, der kann was erzählen“, haben meine Vorfahren gesagt. Die hatten leicht reden, wurden sie doch von höflichen Dienstboten mit Samthandschuhen angefasst, vorsichtig dahin oder dorthin gestellt, auf ein Schiff getragen oder in ein nobles Hotelzimmer. Von einigen weiß ich, dass sie die gesamte Reise auf dem Auto festgeschnallt waren und den Fahrtwind und die Aussicht genießen konnten. Aussicht? Keine Ahnung, was das ist. Und herumgetragen hat mich auch noch niemand! Meistens werde ich gerollt, fast immer von gestressten Menschen, die sich nicht einmal die Mühe machen, mir das Treppensteigen zu ersparen. Bumm, zack, Bumm, zack! Und dann wundern sie sich, wenn meine Rollen das nicht aushalten. Als Koffer kannst du dich gegen solche Umgangsformen nicht wehren. Einmal habe ich mein Nummernschloss verstellt, ohne dass es mein Besitzer bemerkt hat. Daraufhin hat er mit einem Taschenmesser so lange an mir herumgestochert, bis ich nachgegeben habe. Und wissen Sie, was das Absurdeste an einer Flugreise ist? Niemand garantiert mir, dass ich am Ende dort ankomme, wo mein Besitzer auf mich wartet. Gerade drehe ich wieder unzählige Laufbandrunden in…, ja, wenn ich das wüsste. Jedenfalls ist niemand da, der mich abholt. Ganz unter uns, ein bisschen Schadenfreude verspüre ich jetzt schon, wenn ich daran denke, dass mein Besitzer ganz woanders auf mich wartet. Das hat er nun davon. Und ich? Ich habe auch nichts davon, denn bald kommt ein grober Heini, packt mich, wirft mich auf einen Gepäckwagen, und dann geht es mit dem nächsten Flieger wieder zurück. Drücken Sie mir die Daumen, dass der Zielort diesmal mit dem Reiseziel meines Besitzers deckungsgleich ist. Soll mir noch jemand sagen, nur fliegen ist schöner! Von wegen.

 

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Ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

Marlene_Lobis

von Marlene Lobis

Diese Reise ist meine erste große Backpacking-Reise, mein „Pukkanakka-Projekt“: Pukkanakka bedeutet im Südtiroler Dialekt etwas Schultern, am Rücken tragen – wie eben den Rucksack. Als ich meinen Rucksack gepackt habe, lautete die Devise, nur das Nötigste mitzunehmen. Für mich als Backpacking-Anfängerin war es ein kompliziertes Unterfangen, meinen Rucksack für eine mehrmonatige Reise zu packen. Ich habe unzählige Pack-Listen von erfahrenen Weltreisenden verglichen und mich strikt daran gehalten. Einige Dinge hat mittlerweile der Wäscheservice geschluckt, einiges hätte ich daheimlassen können, aber prinzipiell bin ich mit dem Inhalt meines Rucksacks zufrieden.

Doch nicht für alles gibt es Checklisten. Neben den fast 15 Kilo, die ich in meinen Rucksack gepackt habe, schleppe ich auch meinen unsichtbaren Rucksack mit: Meine Träume und Wünsche, meine Vorstellungen und Erwartungen, meine Leidenschaften und Laster. Wer ich war, wer ich bin und wer ich sein will. Ich bin überzeugt, dass man auf Reisen viel lernen kann. Nicht nur über andere Menschen, Kulturen, Länder, auch über sich selbst. Alle paar Tage an einem anderen Ort zu sein, das heißt auch: Ich kann viele verschiedene Versionen von mir zeigen. Außerdem habe ich jede Menge Zeit, um über das Leben im Allgemeinen und mich selbst im Speziellen nachzudenken. Besonders auf all den langen Busfahrten.

Nein, ich bin auf keinem Selbstfindungstrip. Jedoch weiß jeder, der ab und zu allein reist: Das ist gut für ein gewisses Maß an Psychohygiene. Ich mag das. Aber ganz ehrlich: Ich bin ziemlich schockiert darüber, dass ich meinen inneren Unruhehund auf diese Reise mitgebracht habe. Der stand auf keiner Liste. Hand aufs Herz, wir kennen sie doch alle, diese inneren Dämonen: das Engelchen und das Teufelchen, den Faulpelz, das verängstigte Häschen, den inneren Schweinehund … Während meiner Reise taucht allerdings immer wieder dieses neue Gefühl auf: Ich nenne es „meinen inneren Unruhehund“. Und der hüpft wild herum, will alles sehen, erleben, Sachen machen. Dabei will ich absolut keine „Been there, done that“-Touristin sein, alles schnell abklappern, damit ich es von meiner „Bucket List“ abhaken kann.

Doch wenn im Hostel ein anderer Backpacker fragt: „Warst du denn schon in …“, dann fängt der innere Unruhehund an, fröhlich mit dem Schwanz zu wedeln, beim Kommentar: „Das ist voll die krasse Erfahrung“ oder „ein MUST SEE“ springt er aufgeregt in die Luft und schlägt Purzelbäume, will am liebsten sofort losstarten.

Diese Reise soll eine Auszeit sein, die nur mir gehört. Ich habe lange davon geträumt und kein Rückflugticket gebucht. Im Grunde habe ich alle Zeit der Welt. Ich könnte mich einfach in die Hängematte legen und drei Tage lang schlafen, wenn mir danach ist. Das sage ich mir immer wieder. Doch da ist eben dieser unsichtbare, hyperaktive Köter. Ich bin im Urlaub – und gestresst.

Es gibt ihn, den Reise-Burnout. Dahin will ich nicht, eh klar. Nur frage ich mich: Wie überwinde ich meinen inneren Unruhehund? Yoga? Ein Besuch beim Schamanen? Mein unsichtbarer Rucksack wiegt mehr, als ich dachte. Und ich bin erstaunt, dass ich dieses Stressvieh nicht in die Ecke schicken kann, zum „Platz“ machen. Vielleicht war dieses innere Hündchen schon vor der Reise da, aber blieb brav in seinem Körbchen. Oder ich hatte einfach in der Arbeit so viel zu tun, dass es immer zufrieden war? Jetzt, auf dieser Reise, habe ich diese Unruhe erstmals so richtig gefühlt. Und es kostet mich viel Kraft, damit umzugehen. Sobald ich mich auf die Couch lege oder in ein Café setze und mir vornehme, mal nichts zu tun (und auch nichts zu planen!), pieselt mir mein innerer Unruhehund ans Bein. Er will Gassi gehen, was erleben. Und was mache ich? Ich hole die Leine und wir gehen los.

Marlene Lobis (Textauszug aus einer Kolumne, entstanden während einer 9-monatigen Rucksackreise durch Südamerika im Jahr 2016)

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Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 4)

 

 

Bad Kissingen (1913 – 1937)

Im Alter von 56 Jahren, nach der Führung eines Restaurants in Teplitz und eines großen Hotels in Kolberg, kaufte Josef Haberzettl das Hotel Regina und zog im November 1913 mit seiner Frau und den beiden Töchtern Rosa (19 Jahre) und Margarete (14 Jahre) nach Bad Kissingen.

Die Söhne Viktor, zum Zeitpunkt der Übersiedlung nach Bad Kissingen bereits 25 Jahre alt, und Sohn Fritz, 18 Jahre alt, scheinen in den Melderegistern nicht auf.

 

Das Hotel Regina befand sich am Fuße des Altenbergs, umgeben von einer großen Parkanlage, ca. fünf Minuten von den Trinkhallen und Bädern des Ortes entfernt.

 

Hotel Regina am Altenberg in Bad Kissingen, aus der Broschüre des Genesung- und Erholungsheims Bad Kissingen des Landesverbandes Bayrischer Krankenkassen e.V. Sitz Nürnberg.

 

Leider weiß man wenig über den Betrieb des Hotels während des ersten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Verkauf im Jahre 1925.

In einer Schrift über die Regina Klinik – das Haus wurde nach dem Ersten Weltkrieg an den   Deutschen Krankenkassen Hauptverband verkauft und in ein Kurheim umfunktioniert -, heißt es, dass das Haus, von der Familie Haberzettl geführt,  vor dem Ersten Weltkrieg mit seiner komfortablen Ausstattung zu den bestgeführten Einrichtungen in Bad Kissingen zählte.

Nach dem Verkauf im Februar 1925 wurde das gesamte Gebäude renoviert und die Ausstattung der 82 Zimmer erneuert. Da das Haus nach der Renovierung äußerlich keine größeren Zubauten aufweist, gehe ich  davon aus, dass das Hotel bereits vor dem Verkauf ungefähr 80 Zimmer zählte und 130 Betten.

In einem älteren Aufsatz, leider kenne ich das Entstehungsjahr nicht, skizziert Bernd Werner, die Entwicklung vom Hotel Regina zur Schwerpunktklinik. Dort findet sich auch ein Foto der Belegschaft und der Inhaber des Hotels von 1911.

Wenn man davon ausgeht, dass die Personen, welche um den kleinen Tisch herum positioniert sind und die 2 Jungs, die auf dem Boden bzw. auf einem kleinen Hocker sitzen, zur Inhaberfamilie des Hotels zählen, bestand die Hotelbelegschaft 1911 aus 27 Personen, 15 männliche und 12 weibliche.

Aufgrund der Bekleidung bzw. Uniform möchte ich versuchen, die Angestellten den einzelnen Berufsgruppen zuzuordnen.

Belegschaft Hotel Regina 1911

 

Die männlichen Personen mit Schildmütze können eindeutig dem Empfangspersonal an der Portiersloge zugerechnet werden:

Nr. 21 sitzend, ist der Concierge, er tragt eine Mütze auf der vermutlich der Name des Hotels stand und am Revers seiner Jacke sind die Abzeichen der „Clefs d’or“ oder „Goldene Schlüssel“ zu erkennen.

Nr. 27 könnte der zweite Portier oder Kondukteur sein, der die Gäste mit dem Hotel-Omnibus (vom Pferd gezogen) vom Bahnhof abholte und zum Bahnhof brachte, die Koffer trug und vielleicht auch gleichzeitig als Nacht-Portier tätig war.

Nr. 16 ist ein junger Bursche, der aber auch eine Schildmütze und Anzugjacke trägt, vielleicht ein Auszubildender, ein Hilfs-Portiers, der auch für Kommissionen oder das Tragen der Koffer zuständig war.

Nr. 1 könnte der Chauffeur sein, der sich an das Auto lehnt (ein Reifen ist sichtbar).

Concierge aus dem Manuale dell’Industria Alberghiera von 1929.

 

Im Handbuch für die Hotelindustrie, “Manuale dell’Industria Alberghiera”, 1923  vom Touring Club Italiano herausgegeben, wird die Berufsbekleidung des Concierge oder Logenportier folgendermaßen beschrieben:

Er trägt einen Gehrock mit schwarzen Samtaufschlägen am Kragen und an den Ärmeln und 2 gekreuzte aufs Revers gestickte Schlüssel (S. 330). Am Abend trägt er eine weiße Weste.

Alle anderen tragen einen schwarzen Anzug, die Jacke (giubba) soll vollständig zugeknöpft sein.  In manchen Hotels unterscheidet sich das Portierspersonal durch einen goldenen Streifen am Kragen und an den Ärmeln.

 

 

 

 

 

Die jungen Männer mit den Nr. 25 und 26, bekleidet mit Gilet und Schürze, könnten Hoteldiener oder Hausknechte (valet de chamber) gewesen sein.

Die weiß gekleideten Männer links im Bild können eindeutig der Küche zugeordnet werden:

Nr. 3, sitzend, dürfte der Küchenchef, Nr. 2 stehend könnte der Hilfs-Koch gewesen sein. Sicher gab es auch weibliches Küchenpersonal, vielleicht die Frauen Nr. 20 und 23, stehend, mit schwarzen Kleidern, weißem Häubchen und Schürze bekleidet. Über die Bekleidung des weiblichen Küchenpersonals weiß man leider nicht viel mehr, als dass sie sicher Schürzen trugen. Es ist aber unklar, ob sie auch Kopfbedeckungen, sog. Häubchen trugen.

 

Le Petit Journal vom 23. Mai 1897, Sammlung Touriseum.

Hier zum Vergleich die Abbildung aus einer französischen Zeitung, die einen Küchenchef (Chef de cuisine, 3.v.l.), einen Hilfskoch (aide cuisinier, 1. v.l.), einen Hoteldiener (valet de chambre, 5.v.l) einen Kellner (4.v.l.) und einen Maitre d’hotel (6.v.l.) mit entsprechender Berufskleidung zeigt.

 

Die zwei Frauen, Nr. 22 und 24, sitzend, mit den weißen Latzschürzen und Häubchen, die typischen Dienstboten-Tracht, könnten die Zimmermädchen gewesen sein.

Beschreibung der Berufskleidung der Zimmermädchen aus dem “Manuale dell’Industria Alberghiera” von 1923.

 

Die restlichen acht Frauen (Nr. 10, 11, 12, 13, 15, 17, 18 und 19) könnten sowohl als Gouverante, Beschließerin (Wäscheausgabe und –kontrolle), Wäscherinnen, Büglerinnen und Küchenhilfe gearbeitet haben, vielleicht war auch eine Personalköchin darunter, die das Essen für das Personal zubereitete.

Zwischen den Frauen in der Mitte des Bildes, mit der Nr. 14, steht ein junger Mann, mit Krawatte und Anzugsjacke bekleidet. Vielleicht handelte es sich dabei um den Sekretär oder Buchhalter.

Auf der linken Seite des Bildes fanden die Kellner Aufstellung, Nr. 8, sitzend, war vielleicht der Oberkellner, Nr. 4 der Piccolo, und Nr. 5 – 9 die Saalkellner.

 

Broschüre des Erholungsheim “Regina”.

Wie bereits erwähnt, verkaufte Josef Haberzettl das Hotel im Februar 1925 und es wurde ein Kurheim der Krankenkassen. Er und seine Frau blieben aber weiterhin in Bad Kissingen.

Von den Kindern weiß man, dass Viktor, 1920 Student der Philologie, 1921 nach Karlsbad übersiedelte und von Beruf “Beamter” war.

Fritz fiel im Ersten Weltkrieg. Tochter Rosa übersiedelte 1918 nach Berlin, Tochter Margarethe zog 1919 von Bad Kissingen nach Magdeburg.

Josef Haberzettl starb im Jahr 1937 und seine Frau Luise geb. Lössl starb fünf Jahre später, im Jahr 1942 in Bad Kissingen.

 

Karin Maringgele

 

Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 3)

 

Teplitz-Schönau (1895 – 1899)

Im Oktober 1895 gab Josef Haberzettl im Teplitz-Schönauer Anzeiger die pachtweise Übernahme des fürstlich Clary’schen Schlossgarten-Restaurant bekannt. (Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 5. Oktober 1895)

Anzeige im Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 5. Oktober 1895, Österreichische Nationalbibliothek..

 

Zu diesem Zeitpunkt war Josef Haberzettl 39 Jahre alt.  Die Stadtverwaltung von Teplitz begründete ihre Entscheidung, ihm eine Konzession zur Führung einer Restauration, wie man damals sagte, zu geben mit der “Reihe vorzüglicher Zeugnisse”, die “nachweisen, daß er als Küchenchef hervorragender Häuser im In- und Auslande das Beste in seinem Fache leistete”.

In den „neurenovirten Localitäten“ servierte er „feinste französische, deutsche und Wiener Küche“ und bot “feinste Bordeaux, Burgunder-, Rhein- und Moselweine” an, aber auch verschiedene Biere, wie Pilsner, Münchner Löwenbräu und Turner Bier.

Das Restaurant hatte vermutlich von Mai bis Ende September für die Kurgäste geöffnet. In dieser Zeit wurden Mittags – Konzerte  oder auch große Abendkonzerte mit Feuerwerk veranstaltet.

 

Inserat von Josef Haberzettl im Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 22. Mai 1897, Österreichische Nationalbibliothek.

 

Im Oktober wurden “Tanzkurse verbunden mit Anstandslehre” im fürstlich Clary’schen Gartensaal angeboten, in den Wintermonaten bot Haberzettl seine Lokalitäten für Hochzeiten, Festlichkeiten, Diners oder Bälle an und auch seine Dienste für die Zubereitung von kalten Buffets oder kalten Platten. Wir würden heute sagen: Saal-Vermietung mit Catering.

 

Der nächste Schritt auf der Karriereleiter wird durch folgendes Inserat Ende Oktober 1899 angekündigt:

“Übersiedlungshalber in’s Ausland verkaufe, um Zoll- und Frachtspesen zu ersparen, mein sehr fein gewähltes Lager von Bordeaux-, Burgunder-, Rhein- und Moselweinen der bestrenommiertesten Firmen (…)”, außerdem verkaufte Josef Haberzettl Kupfer- und Stahl-Kochgeschirr, verschiedene Kücheneinrichtungsgegenstände, Servis-Plateaus, Holzgefäße, Arbeitstische, ein Kanapé, einen zweisitzigen Kinderwagen, Kinderbetten, Bettstellen, Speis- und Vorratsschränke, einen großen Eiskasten und vieles mehr.

Ein großer Haushalt wurde hier aufgelöst. Die Familie Haberzettl hatte in der Teplitzer Zeit Zuwachs bekommen, im November 1895 wurde Sohn Fritz geboren und im Juli 1899 Tochter Margarethe.

 

Ostseebad Kolberg (1899 – 1913)

Die nächste Station wurde das Hotel Strandschloss im See-, Sol- und Moorbad Kolberg an der Ostsee (Kolobrzeg – im heutigen Polen).

 

Hotel Strandschloss, Kolberg, Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern https://digitale-bibliothek-mv.de/viewer/image/PPN1668791587_1912/44/

Mit “Strandschloss” wurde das Kurhaus des Ostseebades bezeichnet, das mit einem Hotel verbunden war. Es befand sich direkt am Strand und wurde 1899 von den Berliner Architekten Höniger & Sedelmeier (Hoeniger & Sedelmeyer) als ein Renaissancebau mit charakteristischen Türmen und Erkern neu errichtet. (Siehe dazu Deutsche Bauzeitung Heft 5 vom 2. Mai 1900.)

Im Kurhaus gab es einen Konzertsaal, Speisesaal und Restaurationshallen, der Hotelbau enthielt im Erdgeschoss ein Spiel-, Lese- und Musikzimmer und in den oberen Stockwerken 53  bzw. spätere Angaben sprachen von 60 Fremdenzimmern. Die Säle für die Table- d’hote des Hotels lagen im 1. Geschoss über dem Speisesaal des Kurhauses.

In einer Besprechung des Hotels von 1909 liest man: „Der Besitzer dieses feinen Hauses, Herr Haberzettel, ist ein Österreicher und bringt als solcher neben der deutschen und französischen  auch die Wiener Küche zu den gebührenden Ehren.“ (Deutsch-Englischer-Reise- Courier vom 1. Mai 1909). Das Haus war zudem mit Lift, Wasserklosetts und einer Auto-Garage für 5 Autos ausgestattet.

 

Werbeinserat in der Zeitschrift “Deutsch-Englischer-Reise-Courier” von 1909, Österreichische Nationalbibliothek.

 

 

(Fortsetzung folgt)

Karin Maringgele

Stets zu Diensten – Teil 3

Tellerwäscher + Hausmeister dringend gesucht!!

 

Es ist Hochsaison. Das Grandhotel Royal benötigt dringend einen Tellerwäscher und einen Hausmeister, da es zu einer spontanen Kündigung kam. Angeblich wegen der schlechten Bezahlung und der vielen Überstunden.

Der stellvertretende Direktor steht unter großem Druck. Man erwartet von ihm, dass er die offenen Stellen so rasch als möglich besetzt und gleichzeitig keine großen Zugeständnisse an Bezahlung macht.

Zwei Bewerbungsschreiben sind bereits eingegangen:

 

Tellerwäscher Florian

 

Tellerwäscher

Florian ist erst zwölf aber da zuhause am Bauernhof nicht genug da ist, um alle Kinder durchzufüttern, muss er eine Arbeit suchen. Von seiner großen Schwester, die als Zimmermädchen im Grand Hotel arbeitet, hat er gehört, dass sie dringend einen Tellerwäscher suchen. Der alte hat getrunken und wurde gefeuert. Florian kann fest anpacken und weiß, was harte Arbeit bedeutet. Im Sommer hilft er als Hirte auf der Alm und seit seinem Weggang von der Schule, hat er dem Vater am Hof geholfen. Aber jetzt im Winter ist nicht so viel zu tun und zuhause sind sie froh, wenn ein Esser weniger da ist. Florian will mit dem Geld, das er verdient, eine Ziege kaufen und im Sommer mit dem Verkauf der Milch an die feinen Damen seiner Familie helfen. In ein paar Minuten steht er dem stellvertretenden Hoteldirektor gegenüber. Er ist sehr aufgeregt. Hoffentlich macht er keinen schlechten Eindruck.

 

 

 

 

Hausmeister Otto

Hausmeister

 

Überhaupt nicht aufgeregt ist hingegen Otto, der sich ebenfalls für eine Arbeit bewirbt. Allerdings in gehobener Position, nämlich als Hausmeister. Otto ist Ende Zwanzig und hat die Arbeit von der Pike an gelernt. Er hat in vielen großen Hotels gearbeitet. Ein Jahr lang sogar in einem Nobelhotel in London. Er beherrscht zwei Fremdsprachen, ist sehr charmant und redegewandt, aber gleichzeitig diskret.  Seine Referenzen sind sehr gut. Otto weiß, dass er die besten Chancen hat, die Arbeit als Hausmeister zu bekommen. „Die können froh sein, dass sie in so einem Kuhdorf einen so qualifizierten Mitarbeiter bekommen. Ich werde jedenfalls hart verhandeln: ein eigenes Zimmer, einen freien Tag und das Gehalt muss auch stimmen“.

 

 

Ruth Engl – Vermittlung

Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 2)

 

 

Familienleben zwischen Meran und Karlsbad

 

Im Oktober 1887 kam Josef Haberzettl wieder in den Habsburgerhof nach Meran. Diesmal wurde er in der Anmeldung als Küchenchef bezeichnet und unter den Anmerkungen steht der interessante Eintrag: „mit Frau“.

 

Anmeldeprotokoll von 1887, Stadtarchiv Meran.

Seine Frau, Luise Lössl, hatte ihn offenbar nach Meran begleitet. Sie war 12 Jahre jünger als er und stammte aus Ortenburg in Niederbayern. Im Oktober 1887 war sie gerade 18 Jahre alt.

Im Sommer 1888 dürfte Josef Haberzettl mit seiner Frau wieder nach Karlsbad zurückgekehrt sein. Wahrscheinlich arbeitete er dort oder in einem anderen böhmischen Kurort in der Umgebung. Die dortige Kursaison, die ca. von Mai bis Oktober lief, war eine passende Ergänzung zur Saison in Meran.

 

Karlsbad, Sammlung Touriseum.

 

Der Geburtsort der ersten beiden Kinder, Viktor und Rosa, deutet auf einen konstanten Aufenthalt in Karlsbad hin: Viktor wurde im Oktober 1888 in Karlsbad geboren und Rosa im Oktober 1894.

Karlsbad dürfte auch der Wohnort seiner Eltern, Johann und Elisabeth, gewesen sein. Beide starben in Karlsbad. Das Datum ist leider unbekannt.

Ein großes Dankeschön für diese Informationen geht an die Abteilung Archiv, Kultur und Bildung von Bad Kissingen, die mir die Meldedaten von Josef Haberzettl zukommen ließ.

Johann Haberzettl, Josefs Vater, war von Beruf Gastwirt.

Vielleicht war er jener Johann Haberzettl, der 1879 in einem Inserat im „Neuigkeits-Welt-Blatt“ einen Pächter oder Käufer für sein Gasthaus „zur goldenen Krone“ in der Stadt Theusing suchte. Er dürfte sich zum Zeitpunkt der Anzeige bereits in Karlsbad aufgehalten haben.  „Näheres beim Eigenthümer Johann Haberzettl, Gattis Bierhalle in Karlsbad, Böhmen.“ hieß es am Ende der Anzeige.

 

Anzeige im (Neuigkeits) Welt Blatt vom 3. September 1879, Österreichische Nationalbibliothek.

Johann und Elisabeth Haberzettl scheinen im Karlsbader Adressbuch von 1888 als Besitzer des Hauses „Am Rhein“ in der Andreasgasse 120 auf. Das Adressbuch listet die Karlsbader Häuser nach ihren Hausschildern auf.  Johann Haberzettl wird als Restaurateur angeführt, aber ob das Haus „Am Rhein“ eine Restauration war, kann ich nicht nachprüfen.

Im Herbst 1890 brachte Josef Haberzettl seinen jüngeren Bruder Friedrich mit nach Meran.

Fritz Haberzettl wurde als 2. Koch im Habsburgerhof angestellt. Er sollte noch längere Zeit in Meran bleiben, wurde Küchenchef im Hotel Tirolerhof, war 1897 Gründungsmitglied der Sektion Meran des Genfer Verbandes und 1899 Gründungsmitglied des Klubs der Köche Merans.

Hotel Tirolerhof der Familie Auffingen, späterer Arbeitsplatz des Fritz Haberzettl, Sammlung Touriseum.

 

Ein Jahr später, im Herbst 1891 bringt Josef Haberzettl seine Frau und seinen 3-jährigen Sohn mit nach Meran. Neben den üblichen Daten wird im Melderegister angemerkt: „mit Frau und Kind“.

Anmeldeprotokoll von 1891, Stadtarchiv Meran.

Ob die Familie Haberzettl im Habsburgerhof oder in einer Privatunterkunft wohnten, bleibt unklar.

Die letzte Saison von Josef Haberzettl im Habsburgerhof war die Wintersaison 1892.

Ihm folgten als Küchenchefs im Herbst 1893 Alois Lang, auch ein Deutschböhme aus Tepl bei Marienbad, und Ende September 1895 wurde Fritz Unterer aus Karlsbad angemeldet.

 

Über Josef Haberzettl in Meran finden sich in den folgenden Jahren nur mehr spärliche Informationen. Er taucht im Meraner Adressbuch von 1894 mit der Wohnadresse, Sandplatz 1, auf. Dies könnte bedeuten, dass er in der Wintersaison 1893-94 im Hotel Erzherzog Johann als Küchenchef beschäftigt war. Leider wird diese Information weder im Anmeldeprotokoll dieses Jahres bestätigt.

Sicher ist jedoch, dass Josef Haberzettl im Herbst 1895 seinen Lebensmittelpunkt in den böhmischen Kurort Teplitz-Schönau verlegte.

 

Fortsetzung folgt.

 

Karin Maringgele

Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 1)

Meran – Karlsbad – Teplitz – Kolberg – Bad Kissingen

 

In der heutigen Geschichte geht es um Josef Haberzettl.

Er war gebürtiger Deutschböhme aus der Stadt Theusing, in der Nähe von Karlsbad, Jahrgang 1857.

Josef Haberzettl arbeitete als Küchenchef im Meraner Habsburgerhof, pachtete später in Teplitz-Schönau eine Restauration, führte im Ostseebad Kolberg ein Hotel und kaufte 1913 in Bad Kissingen ein Hotel.

Von ihm gibt es leider keine Fotografien und keine persönlichen Dokumente, wie Arbeitsverträge oder Arbeitszeugnisse. Er hat seine Spuren in amtlichen Quellen, wie den Melderegistern von Meran und Bad Kissingen, und in den damaligen Tageszeitungen hinterlassen, dort vor allem im Werbeanzeigenteil.

 

Meran (1886 – 1893)

 

Eine wichtige Quelle, die uns über die Tätigkeit, Herkunft und Geburtsdaten von Personen Auskunft gibt, die in Meran arbeiteten, aber nicht hier geboren waren, befindet sich im Meraner Stadtarchiv.

Es handelt sich dabei um die Anmeldebücher der Stadt Meran, die für die Jahre 1882 – 1889 vorhanden sind. Dort wurden die Anmeldungen der Dienstboten, Gesellen, Lehrlinge oder Arbeiter eingetragen, unter Angabe der Namen der Arbeitgeber oder Dienstherren, der Namen der Bediensteten, der Eigenschaft des Dienstes, des Alters bzw. Geburtsjahrs und –orts, der Heimatgemeinde und des Eintritts-  und Austrittstages.

Auch die Bediensteten der Meraner Hotels sind dort aufgelistet und geben für die Erforschung der Altersstruktur und/oder Herkunft der Hotelangestellten einen wunderbaren Datenpool her. Mit Meran ist leider nur das Stadtgebiet gemeint. Das bedeutet, dass zum Beispiel für das Grand Hotel Meranerhof, das damals zur Gemeinde Untermais zählte, keine Einträge vorhanden sind.

 

Anmeldeprotokoll der Stadt Meran von 1886, Stadtarchiv Meran – zum Vergrößern Bild anklicken

 

Der erste Eintrag zu Josef Haberzettl findet sich im Jahre 1886.

Der damals 29-Jährige wurde am 28. Oktober 1886 in Meran im Hotel Habsburgerhof als Koch angemeldet und blieb bis zum 28. Mai 1887.

Der Pächter des Habsburgerhofes war zu dieser Zeit der Hotelier August Bracher, der zu dieser Zeit bereits das Hotel Bellevue in Gmunden erfolgreich führte. Ein sehr interessantes Porträt dieses Hoteliers findet sich in Hans H. Reimers Buch „Es waren Fremde. 100 „luttrische“ Pioniere des Weltkurorts Meran im 19. und 20. Jahrhundert.“ https://www.studienverlag.at/buecher/5946/es-waren-fremde/

 

Hotel Habsburgerhof in Meran, Sammlung Touriseum

 

Aufgrund der Eintragungen in die Anmeldebücher von Meran kann nachvollzogen werden, dass Josef Haberzettl sechs Saisonen lang, von 1886 bis ins Jahr 1893, im Meraner Habsburgerhof als Küchenchef Dienst tat.

 

Sommer in Meran

 

Die Hauptsaison für den Kurort Meran startete damals im September/Oktober und ging bis Mai/Juni. Im Sommer dürfte Meran fast menschenleer gewesen sein.

Carel von Nievelt, ein niederländischer Reisender, beschreibt den Sommer im Kurort Meran folgendermaßen:

„Sono gli ultimi giorni di giugno – Merano dorme il suo sonno estivo. Le centinaia di alberghi e pensioni, magioni e castelli, in autunno e inverno e primavera adibiti ad alloggi per ospiti sani e malati di ogni sorta di classe e Paese, ora sono vuoti e hanno serrato le loro finestre, come occhi che si chiudono per la luce troppo intensa, con tende e imposte. Maia Alta sembra disabitata. Vuote le panchine del Kurgarten, dove poco fa erano tanti gli asmatici che si fermavano per inspirare i profumi di aprile. (…) nel Kurhaus basta un solo cameriere per servire i due o tre ospiti fuori stagione.“

(aus: Carel van Nievelt, Jérome Alexander Sillem, Nella terra delle Dolomiti. Due olandesi tra i monti di corallo 1884-1887. A cura di Maurizio Casagranda Bepi Pellegrinon, 2019 Nuovi Sentieri Editore, Falcade BL)

 

Meran schläft seinen Sommerschlaf, schreibt Nievelt. Die zahlreichen Hotels und Pensionen, die im Herbst, Winter und Frühling als Unterkünfte für gesunde und kranke Gäste aller Klassen und Länder dienen, stehen nun leer. Obermais scheint unbewohnt zu sein und die Parkbänke des Kurgartens, damit ist wohl die Kurpromenade gemeint, sind leer. Im Kurhaus, wo sich sonst die zahlreichen Gäste tummeln, wird nur noch ein Kellner benötigt, um die zwei oder drei Gäste außerhalb der Saison zu bedienen.

 

Sobald die Saison im Frühjahr in Meran zur Neige ging, fand ein regelrechter Exodus statt. Die Hotelangestellten und die Pensionsbesitzer machten sich auf den Weg in die Sommerfrischorte oder in die Sommerkurorte, aber nicht zum Urlauben sondern zum Arbeiten.

 

Saisonbedingtes Reisen

 

Das Arbeitsleben im Hotel war geprägt vom saisonbedingten Wechsel des Arbeitsorts, Jahresstellen waren rar. Die meisten Pensionen führten ein Winterhaus und ein Sommerhaus, nach dem Motto „September-Mai in Meran, Sommer im Gebirge“. So die Überschrift eines Stelleninserats aus der Meraner Zeitung von 1913.

 

Stelleninserat in der Meraner Zeitung von Oktober 1913

Inserat einer raren Jahresstelle aus der Meraner Zeitung vom Oktober 1911

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche Meraner Hotel- und Pensionsbesitzer hatten neben der Pension oder dem Hotel in Meran auch ein zweites Haus im Gebirge, zum Beispiel in Tiers, Seis am Schlern, Sulden, am Karersee, in Ammerwald/Reutte, Igls, auf der Mendel oder in San Martino di Castrozza.

 

Inserat von Gottfried Bunte im Adressbuch von Meran aus dem Jahr 1904

 

Fortsetzung folgt.

Karin Maringgele – wissenschaftliche Mitarbeiterin

Stets zu Diensten – Teil 2

Heute möchte ich euch weitere „gute Geister“ vorstellen, die heute teilweise nur noch in den luxuriösen Grandhotel zu finden sind.

Wie immer könnt ihr die Papierpuppen vom Designerkollektiv Marmeolab  http://marameolab.net/ herunterladen und ausschneiden. Viel Spaß dabei!

 

Hier der Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Chefportier

Chefconcierge Fritz

Seit mehr als 30 Jahren betreue ich persönlich hier die Gäste im Grand Hotel. Chefconcierge Fritz ist mein Name. Ich gehöre inzwischen schon fast zum Inventar des Hotels.

Für meine Gäste habe ich immer ein offenes Ohr. Dazu gehört, dass ich mindestens zwei Fremdsprachen perfekt beherrsche. Ich kenne die Vorlieben der Gäste, ihre Angewohnheiten aber auch ihre Launen. Es gibt auch manchmal heikle Situationen, wo meine Diskretion gefragt ist.

Im Lauf der Jahre habe ich ein Buch angelegt, in dem alle Gäste mit ihren Bedürfnissen und Wünschen angeführt sind. So weiß ich genau, was jeder Gast benötigt oder auf was er Wert legt. Wenn ein Gast einen Sonderwunsch hat, kommt er zuerst zu mir. Einmal mussten wir für einen bekannten Schauspieler einen Elefanten in die Hotellobby bringen. Das war ein Spektakel. Ein Nein als Antwort kommt bei mir selten vor. Ich muss mich aber nicht nur um die Gäste kümmern, sondern auch um die Portiers und Hotelpagen. Sie gehören zu meinem Team. Das Hotel und die Gäste sind meine Ersatzfamilie, aber jetzt wird es Zeit, dass ich mich zur Ruhe setze und mein Privatleben genieße.

 

Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Koffertraeger

Kofferträger Fridolin

Ich habe alles im Griff (Koffer), jedenfalls für die paar Meter von der Hoteldrehtür bis zum Fahrstuhl und von dort bis zur Zimmertür. Ich trage Koffer und trotz der großen Lasten versuche ich immer zu lächeln! Das ist wichtig, schließlich bin ich die erste Figur, die Kontakt mit dem Gast hat. Außerdem bringt es viel Trinkgeld ein. Was ist sonst noch mache? Botengänge für die Gäste, Hunde ausführen und Schuhe putzen.

Wenn mal nichts zu tun ist, stehe ich als Visitenkarte vor dem Hotel.

So wie in diesem Moment. In wenigen Minuten erwarte ich Baroness von Wegerhoff und bin schon gespannt auf das ganze Gepäck und deren Kofferaufkleber.

 

Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Hotelpage

Hotelpage Emil

Ich zupfe kurz meine weißen Handschuhe zurecht und überprüfe die polierten schwarzen Schuhe und die 23 Goldknöpfe auf meinem Jackett. Die Uniform sitzt perfekt!

Mein Aufzug ist eine Augenweide aus Samt und Messing mit Lampen und Polsterbänkchen. Man fühlt sich hier wie in einem gemütlichen Wohnzimmer.

Mein Fachgebiet ist die Menschenkenntnis. Ich kenne die Wünsche und Erwartungen meiner Gäste, auch ihre Eigenheiten und Vorlieben. Außerdem bin ich sehr diskret. Es passiert schon ab und zu, dass ein Herr mit einer Dame einen Kuss im Lift tauscht.

Die meisten Gäste nehmen mich kaum wahr. Manchmal fühle ich mich wie ein Möbelstück.

Es ist wirklich nichts leichter als einen Lift zu bedienen…, obwohl ich bei meinen ersten Fahrten oft uneben gelandet bin.

Ich lächele viel und sage zu meinen Gästen: „Monsieur et Madame und watch your step“! Der Baroness von Wegerhoff biete ich meinen Arm an als Stütze beim Aussteigen.

 

Ruth Engl – Vermittlung