Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 4)

 

 

Bad Kissingen (1913 – 1937)

Im Alter von 56 Jahren, nach der Führung eines Restaurants in Teplitz und eines großen Hotels in Kolberg, kaufte Josef Haberzettl das Hotel Regina und zog im November 1913 mit seiner Frau und den beiden Töchtern Rosa (19 Jahre) und Margarete (14 Jahre) nach Bad Kissingen.

Die Söhne Viktor, zum Zeitpunkt der Übersiedlung nach Bad Kissingen bereits 25 Jahre alt, und Sohn Fritz, 18 Jahre alt, scheinen in den Melderegistern nicht auf.

 

Das Hotel Regina befand sich am Fuße des Altenbergs, umgeben von einer großen Parkanlage, ca. fünf Minuten von den Trinkhallen und Bädern des Ortes entfernt.

 

Hotel Regina am Altenberg in Bad Kissingen, aus der Broschüre des Genesung- und Erholungsheims Bad Kissingen des Landesverbandes Bayrischer Krankenkassen e.V. Sitz Nürnberg.

 

Leider weiß man wenig über den Betrieb des Hotels während des ersten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Verkauf im Jahre 1925.

In einer Schrift über die Regina Klinik – das Haus wurde nach dem Ersten Weltkrieg an den   Deutschen Krankenkassen Hauptverband verkauft und in ein Kurheim umfunktioniert -, heißt es, dass das Haus, von der Familie Haberzettl geführt,  vor dem Ersten Weltkrieg mit seiner komfortablen Ausstattung zu den bestgeführten Einrichtungen in Bad Kissingen zählte.

Nach dem Verkauf im Februar 1925 wurde das gesamte Gebäude renoviert und die Ausstattung der 82 Zimmer erneuert. Da das Haus nach der Renovierung äußerlich keine größeren Zubauten aufweist, gehe ich  davon aus, dass das Hotel bereits vor dem Verkauf ungefähr 80 Zimmer zählte und 130 Betten.

In einem älteren Aufsatz, leider kenne ich das Entstehungsjahr nicht, skizziert Bernd Werner, die Entwicklung vom Hotel Regina zur Schwerpunktklinik. Dort findet sich auch ein Foto der Belegschaft und der Inhaber des Hotels von 1911.

Wenn man davon ausgeht, dass die Personen, welche um den kleinen Tisch herum positioniert sind und die 2 Jungs, die auf dem Boden bzw. auf einem kleinen Hocker sitzen, zur Inhaberfamilie des Hotels zählen, bestand die Hotelbelegschaft 1911 aus 27 Personen, 15 männliche und 12 weibliche.

Aufgrund der Bekleidung bzw. Uniform möchte ich versuchen, die Angestellten den einzelnen Berufsgruppen zuzuordnen.

Belegschaft Hotel Regina 1911

 

Die männlichen Personen mit Schildmütze können eindeutig dem Empfangspersonal an der Portiersloge zugerechnet werden:

Nr. 21 sitzend, ist der Concierge, er tragt eine Mütze auf der vermutlich der Name des Hotels stand und am Revers seiner Jacke sind die Abzeichen der „Clefs d’or“ oder „Goldene Schlüssel“ zu erkennen.

Nr. 27 könnte der zweite Portier oder Kondukteur sein, der die Gäste mit dem Hotel-Omnibus (vom Pferd gezogen) vom Bahnhof abholte und zum Bahnhof brachte, die Koffer trug und vielleicht auch gleichzeitig als Nacht-Portier tätig war.

Nr. 16 ist ein junger Bursche, der aber auch eine Schildmütze und Anzugjacke trägt, vielleicht ein Auszubildender, ein Hilfs-Portiers, der auch für Kommissionen oder das Tragen der Koffer zuständig war.

Nr. 1 könnte der Chauffeur sein, der sich an das Auto lehnt (ein Reifen ist sichtbar).

Concierge aus dem Manuale dell’Industria Alberghiera von 1929.

 

Im Handbuch für die Hotelindustrie, “Manuale dell’Industria Alberghiera”, 1923  vom Touring Club Italiano herausgegeben, wird die Berufsbekleidung des Concierge oder Logenportier folgendermaßen beschrieben:

Er trägt einen Gehrock mit schwarzen Samtaufschlägen am Kragen und an den Ärmeln und 2 gekreuzte aufs Revers gestickte Schlüssel (S. 330). Am Abend trägt er eine weiße Weste.

Alle anderen tragen einen schwarzen Anzug, die Jacke (giubba) soll vollständig zugeknöpft sein.  In manchen Hotels unterscheidet sich das Portierspersonal durch einen goldenen Streifen am Kragen und an den Ärmeln.

 

 

 

 

 

Die jungen Männer mit den Nr. 25 und 26, bekleidet mit Gilet und Schürze, könnten Hoteldiener oder Hausknechte (valet de chamber) gewesen sein.

Die weiß gekleideten Männer links im Bild können eindeutig der Küche zugeordnet werden:

Nr. 3, sitzend, dürfte der Küchenchef, Nr. 2 stehend könnte der Hilfs-Koch gewesen sein. Sicher gab es auch weibliches Küchenpersonal, vielleicht die Frauen Nr. 20 und 23, stehend, mit schwarzen Kleidern, weißem Häubchen und Schürze bekleidet. Über die Bekleidung des weiblichen Küchenpersonals weiß man leider nicht viel mehr, als dass sie sicher Schürzen trugen. Es ist aber unklar, ob sie auch Kopfbedeckungen, sog. Häubchen trugen.

 

Le Petit Journal vom 23. Mai 1897, Sammlung Touriseum.

Hier zum Vergleich die Abbildung aus einer französischen Zeitung, die einen Küchenchef (Chef de cuisine, 3.v.l.), einen Hilfskoch (aide cuisinier, 1. v.l.), einen Hoteldiener (valet de chambre, 5.v.l) einen Kellner (4.v.l.) und einen Maitre d’hotel (6.v.l.) mit entsprechender Berufskleidung zeigt.

 

Die zwei Frauen, Nr. 22 und 24, sitzend, mit den weißen Latzschürzen und Häubchen, die typischen Dienstboten-Tracht, könnten die Zimmermädchen gewesen sein.

Beschreibung der Berufskleidung der Zimmermädchen aus dem “Manuale dell’Industria Alberghiera” von 1923.

 

Die restlichen acht Frauen (Nr. 10, 11, 12, 13, 15, 17, 18 und 19) könnten sowohl als Gouverante, Beschließerin (Wäscheausgabe und –kontrolle), Wäscherinnen, Büglerinnen und Küchenhilfe gearbeitet haben, vielleicht war auch eine Personalköchin darunter, die das Essen für das Personal zubereitete.

Zwischen den Frauen in der Mitte des Bildes, mit der Nr. 14, steht ein junger Mann, mit Krawatte und Anzugsjacke bekleidet. Vielleicht handelte es sich dabei um den Sekretär oder Buchhalter.

Auf der linken Seite des Bildes fanden die Kellner Aufstellung, Nr. 8, sitzend, war vielleicht der Oberkellner, Nr. 4 der Piccolo, und Nr. 5 – 9 die Saalkellner.

 

Broschüre des Erholungsheim “Regina”.

Wie bereits erwähnt, verkaufte Josef Haberzettl das Hotel im Februar 1925 und es wurde ein Kurheim der Krankenkassen. Er und seine Frau blieben aber weiterhin in Bad Kissingen.

Von den Kindern weiß man, dass Viktor, 1920 Student der Philologie, 1921 nach Karlsbad übersiedelte und von Beruf “Beamter” war.

Fritz fiel im Ersten Weltkrieg. Tochter Rosa übersiedelte 1918 nach Berlin, Tochter Margarethe zog 1919 von Bad Kissingen nach Magdeburg.

Josef Haberzettl starb im Jahr 1937 und seine Frau Luise geb. Lössl starb fünf Jahre später, im Jahr 1942 in Bad Kissingen.

 

Karin Maringgele

 

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