Meine erste Reise von Schlanders nach Bozen

Koffer_Schuster

von Johanna Schuster Luther

Ich fuhr als 13-Jährige im Jahre 1947 mit dem Zug von Schlanders nach Bozen, um bei meiner Großtante für drei Jahre zu wohnen.

Ich durfte die damalige Handelsschule in der Weggensteinstraße besuchen. Einen mittelgroßen eher etwas älteren Koffer voll Kleidungsstücke und Unterwäsche trug ich mit mir. Johanna_Schuster_LutherDaheim beim Packen weinte ich ab und zu, weil mir der Koffer zu alt und zu schadhaft vorkam.

Der Koffer blieb während der ganzen Fahrt zwischen meinen Beinen. Als ich am Bahnhof in Bozen ausstieg, befand ich mich im Nu unter einer Menschenmenge, die hastig zum Ausgang drängte und mich, ohne es zu wollen, mitschob.

Als ich mich im Freien befand, auf den Stufen am Bahnhofsplatz, hielt ich inne, da mir die Stadt fremd war. Ich stellte meinen Koffer auf den Boden. Meine Großtante hatte mir versprochen mich abzuholen. Ich konnte sie nicht sehen, da sie beim Hauptausgang auf mich wartete. Ich ließ meinen Koffer auf den Stufen stehen und ging die Tante suchen.

Als ich sie endlich entdeckte, lief ich mit Freude zu ihr, um sie zu umarmen. „Wo hast du dein Gepäck“ fragte sie mich. „Mein Koffer steht auf den Stufen beim Haupteingang“ antwortete ich. „Ja Kindele hol ihn schnell sonst wird er von jemanden mitgenommen, sagte sie.

Doch mein Koffer stand noch immer auf demselben Platz. Er war wohl zu schäbig, als dass man ihn für begehrenswert hielt.

Jede Woche eine neue Koffergeschichte!

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Eine Begleitaktion zur Sonderausstellung „Packen, tragen, rollen – Reisegepäck im Wandel der Zeit“ (2021)

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