Das Klo auf Reisen

Mögen wir auf Reisen all die unangenehmen Dinge des Alltags hinter uns lassen – dem Gang zur Toilette können wir uns zu keiner Zeit entziehen. Dabei hat sich das stille Örtchen, ähnlich wie das Reisen selbst, im Laufe der Jahrhunderte stark verändert.

bild03Besonderen Komfort beim Verrichten der Notdurft erlaubten den Adeligen des 18. Jahrhunderts sogenannte Leibstühle. Einige waren tragbar oder gar zusammenklappbar und ermöglichten den noblen Reisenden auch unterwegs den gewohnten Luxus. Ungewöhnliche Formen sollten diskret die Funktion des Möbels verbergen. Nicht verschönern konnte man den Gestank, der aus den Leibstühlen quoll. Um ihm ein wenig entgegenzuwirken, füllte man die Gefäße mit Wasser.

Als im frühen 19. Jahrhundert längst ein hoher Komfort wie elektrisches Licht in allen Zimmern, Rauch- und Musiksalons sowie ein Lift zum Standard der größeren Hotels zählten, entstanden in den Grand Hotels die ersten Etagentoiletten. bild01Private WC-Räume empfand man noch nicht als notwendig. Die illustren Gäste des Karerseehotels wie Arthur Schnitzler oder Agatha Christie benutzten bis in die 1920er Jahre dasselbe Klosett. Besonders fortschrittlich war das Grand Hotel Penegal auf der Mendel, das seinen Gästen in jedem der 200 Zimmer bereits vor 1910 ein „Privatbad“ bot.

bild05Der Nachttopf prägte lange Zeit den Reisealltag. Solange die Hotels noch keine oder nur wenige Toilettenanlagen besaßen, verrichteten die Gäste ihr Geschäft auf diesen Schüsseln. Jeden Morgen wurden die im Nachtkästchen verstauten Töpfe vom Hotelpersonal entleert.

Die Toilettensituation blieb in den kleineren Südtiroler Hotels lange Zeit unverändert. Im Jahr 1972 unterstützte die Landesregierung mit dem Bädergesetz den nachträglichen Einbau sanitärer Anlagen. Auf den verbesserten Komfort sollte im Jahr 1978 der Werbeslogan „Südtirol – fließend Deutsch und Warmwasser“ hinweisen. Mit der Einführung der 4098340Klassifizierung von Beherbergungsbetrieben in den 1980ern wurde das Bad im Gästezimmer zu einem wichtigen Kriterium und gehörte bald zum Standard.

Evelyn Reso

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