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„Newly built fashionable Garage and Oil station“

Ein besonderer Neuzugang in der Sammlung des Touriseums: Inventarnummer 4105709

Es handelt sich um einen Werbeprospekt in englischer Sprache des Hotel & Pension “Goldene Rose” (Sterzingerhof) in Sterzing, vermutlich aus den 1920er Jahren. Als Besitzer ist Ludwig Obexer angeführt. Der Prospekt verrät, dass das Hotel sowohl im Sommer als auch im Winter geöffnet war, 50 Zimmer, eine Auto-Garage und eine Benzin- und Ölstation (Tankstelle) hatte und Mitglied mehrerer Automobil- und Touristen-Clubs war. Es wirbt als günstiger Halt für Automobilreisende von und nach den Dolomiten, Brenner, Jaufen, Bozen, Mendelpass etc.

“…newly built fashionable Garage (boxes), Benzin and Oil station, Distributor automatic for benzine, Private autos (…) Convenient Station for Dinner for Auto tourists to and from the Dolomites, Brennero, Jaufen, Bolzano, Mendel pass etc.”

Weiters wird auf die neu gebaute Jaufenstraße hingewiesen, die als Bob – Bahn und Tobogganing genutzt werden kann. Skier und Bobs werden an Gäste verleihen.

“For Winter sport Ski and Bobsleigh are at the disposal of the guests.”

Karin Maringgele – Sammlung Touriseum

Wie sich die Gastwirte entlang der Straßen nach und nach auf die neue Klientel der Automobilfahrenden einrichteten und vieles mehr erfährt ihr in unserer aktuellen Sonderausstellung „Auf die Pässe, fertig, los!“ und im dazugehörigen Buch “Die touristische Eroberung der Alpenpässe”, erhältlich an der Rezeption des Touriseums.

Frische Luft, schöne Aussicht und hohe Berge: Das verbinden Touristen/-innen mit Alpin- bzw. Bergpässen

Woran denken Südtirol-Reisende als erstes, wenn sie mit Alpin- bzw. Bergpässen konfrontiert werden? Anhand einer örtlichen Umfrage in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff hat der Praktikant Simon Dietl versucht, dies herauszufinden.

Im Rahmen der im Jahr 2017 stattfindenden Ausstellung „Auf die Pässe, fertig, los!“ des Südtiroler Landesmuseums für Tourismus – Touriseum führte der Praktikant Simon Dietl unter den Besucher/-innen der Gärten von Schloss Trauttmansdorff eine Umfrage zur Wahrnehmung von Alpin- bzw. Bergpässen durch. Dabei versuchte er, herauszufinden, welche Wörter, Empfindungen und Erfahrungen Touristen/-innen mit Pässen assoziieren. Das Ergebnis der Umfrage: Die Mehrheit der befragten Touristen/-innen verknüpfte mit Alpin- bzw. Bergpässen natürliche oder immaterielle Begrifflichkeiten, wie beispielsweise Luftreinheit, Aussicht, Berg, Prächtigkeit, Ruhe und Gelassenheit, wohingegen nur wenige auf Begriffe des Verkehrswesens, wie etwa Straßen, Fahrzeuge oder Verkehr verwiesen.

Bei ihren Assoziationen berief sich die Mehrheit der Befragten auf spezifische persönliche Erfahrungen. Nur wenige konnten sich an keine erlebten Erfahrungen erinnern, verwiesen demnach also auf eine Allgemeinheit der gesammelten Erfahrungen. Letztere lassen sich allerdings nicht geografisch eingrenzen, da die befragten Touristen/-innen sehr viele verschiedene Pässe besichtigten und zwar verstreut auf den gesamten mitteleuropäischen Alpenraum.

Schlagwörter

Die Gesamtheit der befragten Touristen/-innen stammte aus dem mitteleuropäischen Raum: Zu den signifikantesten Herkunftsländern zählten laut der durchgeführten Umfrage der Reihenfolge nach Deutschland, Italien, England, die Schweiz, Österreich und Belgien. Im Hinblick auf die geografische Streuung der befragten Touristen/-innen innerhalb eines Landes kann man festhalten, dass die Mehrheit derselben aus Ortschaften in relativer Nähe zum Alpenraum stammte. Das Durchschnittsalter der befragten Touristen/-innen betrug rund 65 Jahre und die Altersspannweite 47 Jahre.

(sd)

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Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage zu den Alpin- resp. Bergpässen

von Simon Dietl

Anlässlich der im nächsten Jahr stattfindenden Ausstellung „Auf die Pässe, fertig, los!“ des Südtiroler Landesmuseums für Tourismus – Touriseum hat der Praktikant  Simon Dietl in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff eine Umfrage zu Alpin- resp. Bergpässe durchgeführt, bei der die empirischen Begleiterscheinungen von befragten Touristen/-innen zu denselben – einerseits anhand von aussagekräftigen Schlagworten, andererseits mittels mitgeteilter persönlicher Erfahrungen – als Vorbereitung für die Organisation ebendieser Ausstellung stichprobenartig festgehalten wurden.

Simon

Das Instrument der Umfrage war eine vom Praktikanten Simon Dietl konzipierte Tabelle, anhand derer die Touristen/-innen nach ihrer Herkunft, ihrem Alter, fünf für sie greifbare, konkrete Begrifflichkeiten sowie ihren persönlichen Erfahrungen im Hinblick auf Alpin- resp. Bergpässe befragt wurden. Die Anzahl der befragten Touristen/-innen lässt sich auf schätzungsweise 65 Personen datieren, obgleich nur 30 davon dazu bereit waren, Informationen im Hinblick auf ihre Wahrnehmung von Alpin- resp. Bergpässe zu offenbaren und mithin an der Umfrage teilzunehmen.

Von den gesamten befragten Touristen/-innen stammen 16 aus Deutschland, sieben aus Italien, drei aus England, zwei aus der Schweiz und jeweils einer aus Österreich und aus Belgien. Das arithmetisch-numerische Durchschnittsalter der befragten Touristen/-innen beträgt 64,7 Jahre und die Altersspannweite beträgt 47 Jahre ausgehend von einem Höchstalter von 83 Jahren und einem Mindestalter von 36 Jahren.

Der durchschnittlich befragte Tourist aus Deutschland ist 56,97 Jahre alt und die Altersspannweite beläuft sich hierbei auf 44 Jahre, und zwar ausgehend von einem Höchstalter von 83 Jahren und einem Mindestalter von 36 Jahren. Auffallend ist bei der Auswertung der mit Alpin- resp. Bergpässe verbundenen Konnotationen von deutschen Touristen/-innen die Dominanz der Begrifflichkeiten der Natur mit einer numerischen Häufigkeit von 32: Während man meinen könnte, dass mit Pässen eher Straßen, Fahrzeuge oder Verkehr assoziiert wird, verbinden die befragten Deutschen mit einer relativen Häufigkeit damit eher Begrifflichkeiten der Natur. Die drei in diesem Zusammenhang am häufigsten vorkommenden Begriffe der natürlichen Gegebenheiten sind Luftreinheit, Berg und Sonnenschein und die am häufigsten gezählten Tätigkeiten in der Natur sind Wanderung, Skifahrt und Skilanglauf.
Im Hinblick auf die Auswertung von persönlichen Erfahrungen auf Alpin- resp. Bergpässen lässt sich konstatieren, dass von den befragten Touristen/-innen aus Deutschland sechs keine nennenswerten Erfahrungen an Pässen gemacht, fünf eine spezifische Erfahrung erlebt haben und fünf sich an keine spezifische Erfahrung erinnern, aber ihre Erfahrungen an Alpin- resp. Bergpässe im Allgemeinen zusammenfassend darlegen können. Zusätzlich dazu lässt sich aus der erzielten Stichprobe herauslesen, dass der Großteil der befragten deutschen Touristen/-innen der Gärten von Schloss Trauttmansdorff aus dem Süden und dem Westen Deutschlands stammt. Die in dieser Hinsicht vier signifikantesten Bundesländer sind Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

GeoHerkunft

Der durchschnittlich befragte italienische Tourist ist 53 Jahre alt und die Altersspannweite beläuft sich hierbei auf 33 Jahre, ausgehend von einem Höchstalter von 73 Jahren und einem Mindestalter von 40 Jahren. Interessant bei der Auswertung ist das Faktum, dass alle sieben befragten Touristen/-innen mit Ausnahme einer Person Alpin- resp. Bergpässe absolut nicht mit dem Verkehrswesen in Verbindung bringen, sondern entweder auf Begrifflichkeiten der Natur oder auf immaterielle Werte verweisen. Die drei häufigsten Begrifflichkeiten der Natur sind erneut Luftreinheit, Panorama und Schnee. Anders als die deutschen Touristen/-innen verbinden die befragten Italiener Alpin- bzw. Bergpässe nicht mit Tätigkeiten in der Natur. Mithin hat keiner der befragten italienischen Touristen/-innen zum Zeitpunkt der Durchführung der Umfrage Substantive, wie beispielsweise Wanderung, Skifahrt oder Radtour als Konnotationen angeführt.
Im Hinblick auf die Auswertung der persönlichen Erfahrungen von italienischen Touristen/-innen an Alpin- resp. Bergpässen kann man festhalten, dass von den sieben befragten italienischen Touristen/-innen vier keine nennenswerten persönlichen Erfahrungen und zwei eine spezifische Erfahrung an einem bestimmten Pass gemacht haben, wohingegen einer sich an keine spezifische Erfahrung erinnert, aber trotzdem auf seine allgemeine Erfahrung bezüglich der Alpin- und Bergpässe verweist.

Das Durchschnittsalter der befragten englischen Touristen/-innen beträgt 62,67 Jahre und die Altersspannweite beläuft sich hierbei auf 18 Jahre, ausgehend von einem Höchstalter von 73 Jahren und einem Mindestalter von 55 Jahren. Auffallend ist bei der Auswertung der Ergebnisse der Umfrage die Korrelation im Hinblick auf die konnotative Wahrnehmung zu Alpin- resp. Bergpässen von italienisch- und englischsprachigen Touristen/-innen. Die befragten Touristen/-innen beider Sprachgruppen assoziieren mit Alpin- resp. Bergpässen entweder natürliche oder immaterielle Begrifflichkeiten, ohne dabei an die Tätigkeiten in der Natur zu denken. Die in dieser Hinsicht am häufigsten angeführten Begrifflichkeiten der Natur sind Landschaftspflege, Luftreinheit und Sonnenschein.
Bezug nehmend auf die gesammelten persönlichen Erfahrungen von englischsprachigen Touristen/-innen an Alpin- resp. Bergpässen, konstatiert der Praktikant mit einer gewissen Verblüffung, dass jeder/jede der befragten Touristen/-innen sich an persönliche Erfahrungen an Pässen erinnern kann. Alle befragten Personen haben entweder eine spezifische persönliche Erfahrung erläutert oder ausgehend von allen gemachten Erfahrungen auf eine empirische Allgemeinheit verwiesen.

Aufgrund der numerischen Beschränktheit der Touristen/-innen aus den Herkunftsländern Schweiz, Österreich und Belgien sowie der Wichtigkeit bezüglich des zielführenden Charakters der schriftlichen Auswertung der Umfrage zu den Alpin- und Bergpässen hat sich der Praktikant dazu entschieden, ebendiese Staaten unter dem Sammelbegriff „andere europäische Länder“ zusammenzufassen.
Der/die durchschnittliche Tourist/-in aus der Kategorie „andere europäische Länder“ ist 70,83 Jahre alt und die Altersspannweise beläuft sich hierbei auf 18 Jahre, und zwar ausgehend von einem Höchstalter von 83 Jahren und einem Mindestalter von 65 Jahren. Nennenswert ist bei der Auswertung der Umfrage zu Alpin- resp. Bergpässen die ambivalente Wahrnehmung derselben von Touristen/-innen aus der Kategorie „andere europäische Länder“: Wohingegen die befragten Touristen/-innen aus der Schweiz und aus Belgien Alpin- resp. Bergpässe eher mit Begrifflichkeiten der Natur in Verbindung bringen, assoziiert der/die Tourist/-in aus Österreich damit eher Begriffe des Verkehrswesens. Die in dieser Hinsicht am häufigsten vorkommenden Begrifflichkeiten der Natur sind Luftreinheit, Aussicht und Schnee und die signifikantesten Begriffe des Verkehrswesens sind Kurve, Verkehrsanbindung und Verkehrsintensität.
In Bezug auf die Auswertung von persönlichen Erfahrungen von Touristen/-innen aus der Kategorie „andere europäische Länder“ kann man feststellen, dass jeder der befragten Touristen/-innen persönliche Erfahrungen an Pässen preisgegeben hat. Drei Touristen/-innen aus der Kategorie „andere europäische Länder“ haben entweder eine spezifische, positiv oder negativ konnotierte Erfahrung an einem bestimmten Pass zusammenfassend geschildert oder ausgehend von ihrer subjektiven Wahrnehmung an verschiedenen Pässen auf eine Allgemeinheit verwiesen.

Abschließend und in Anbetracht der erlangten Impressionen, Informationen und Erfahrungen der befragten Touristen/-innen aus diversen europäischen Herkunftsländern im Hinblick auf ihre empirische Wahrnehmung von Alpin- resp. Bergpässen konstatiert der Praktikant, dass die drei mit Abstand größten Herkunftsländer der die Gärten von Schloss Trauttmansdorff besuchenden Touristen/-innen Deutschland, Italien und England sind, obgleich auch Touristen/-innen aus Österreich, Belgien und der Schweiz zu Besuchern zählen. Zusätzlich dazu kann schlussbetrachtend festhalten werden, dass die gesamten Touristen/-innen ausgehend von der Analyse des Durchschnittsalters der 30 befragten Touristen/-innen, tendenziell einer hohen Altersgruppe angehören. Die Sprachgruppen der Touristen/-innen betreffend, kann man eine Dominanz von natürlichen Begrifflichkeiten bei deutschen Touristen/-innen, eine Dominanz von natürlichen und immateriellen Begriffen der italienischen Touristen/-innen, eine Korrelation im Hinblick auf die Wahrnehmung von Alpin- resp. Bergpässen zwischen italienischen und englischen Touristen/-innen und eine ambivalente Wahrnehmung von Alpin- resp. Bergpässe bei Touristen/-innen aus anderen europäischen Herkunftsländern konstatieren.

Tourismusgeschichte bunt serviert

Gruppenbild Schüler

56 Schüler und Schülerinnen der ersten Klassen der Landesberufsschule für das Gastgewerbe Savoy Meran präsentieren noch bis zum 19. April im Touriseum auf Schloss Trauttmansdorff ihre individuellen und vielfältigen Kreationen der Tiroler Tourismusgeschichte.

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Mit ihren Fachlehrerinnen Karin Gstrein, Andrea Kleon und Rita Lamprecht besprachen die Schülerinnen und Schüler zuerst die regionale Tourismusgeschichte in der Klasse und besichtigten anschließend ausgiebig das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus. Mit Hilfe der Objekte und Geschichten im Museumsparcours sollten die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Zeitleiste der Tiroler Tourismusgeschichte erstellen.

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Kürzlich präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre originellen Arbeiten im Touriseum. Die Regie der Eröffnungsfeier zur kleinen Ausstellung „Tourismusgeschichte bunt serviert“ nahmen sie auch gleich selbst in die Hand: Von der Moderation (Gionathan Triolo und Judith Platzer) über die historischen Figuren wie Andreas Hofer (Simon Franzelin), Bürgermeister Haller (Philipp Pircher) oder Kaiserin Elisabeth (Annalena Unterweger) bis hin zur Tourismusgeschichte heute (Lena Jörg, Jasmin Psenner, Jasmin Obkircher, Rebecca Ungerer und Laetitia Pedross, Sara Targa) schlüpften die Schülerinnen und Schüler in verschiedene Rollen und präsentierten ihren Eltern, Kollegen und weiteren geladenen Gästen die Tiroler Tourismusgeschichten auf eine sehr unterhaltsame Weise.

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Die bunten und ganz individuell gestalteten Zeitleisten der Schülerinnen und Schüler erstrecken sich auf über 40 Quadratmetern – vom Deustersaal bis ins Treppenhaus des Touriseums und können dort noch bis einschließlich 19. April besichtigt werden.

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Hier einige Auszüge aus der einmaligen Eröffnungsfeier:

Moderation: Gionathan Triolo und Judith Platzer

Wie ist unser Projekt überhaupt entstanden?
In Empfangsdienst besprachen wir mit unseren Fachlehrerinnen Frau Gstrein, Frau Kleon und Frau Lamprecht die Tourismusgeschichte und besichtigten in dem Zusammenhang das Touriseum. Anschließend gestalteten alle Schülerinnen und Schüler eine Zeitleiste als Aufgabe. Das Touriseum ermöglichte es uns, diese Zeitleisten einem größeren Publikum zu präsentieren.

Wir möchten Ihnen nun die Tourismusgeschichte kurz skizzieren und auch einige Persönlichkeiten, die darin vorkommen, zu Wort kommen lassen.

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Um 1750 reisten Händler, Pilger, Künstler und Studenten. Doch damals war das Reisen kein Vergnügen. Viele Gefahren drohten und nur einige Poststationen entlang der Reisewege boten Zuflucht und Unterkunft für Mensch und Tier.

Als Reiseziel war Tirol vorerst nicht interessant. Doch dann rief der von Andreas Hofer angeführte Aufstand der Tiroler gegen Napoleon in ganz Europa viel Bewunderung hervor. Englische und deutsche Dichter begannen von dem Land zu schwärmen. Auch zogen singende Tiroler als Wanderhändler in alle Welt und erzählten von dem interessanten Land und den urigen Tirolern.

Was würde nun Andreas Hofer heute dazu sagen?

Andreas Hofer  (Simon Franzelin)

Ich war Pferdehändler und “Sandwirt” in Passeier, kommandierte die Tiroler Bauern im Aufstand gegen bayerische und französische Truppen.

Am ersten November fand schlussendlich eine vierte ,,Bergisel”-Schlacht statt, bei der die Tiroler unter meiner Führung unterlagen.
Am nächsten Tag erklärte ich mich zur Unterwerfung bereit, aber neun Tage später widerrief ich diese Erklärung.

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Zusammen mit meiner Frau Anna, meinem Sohn und meinem Freund Kajetan Sweth floh ich auf die Pfandleralm.
Das Versteck wurde jedoch verraten und ich wurde am 28. Jänner 1810 verhaftet und auf Befehl von Napoleon in Mantua erschossen.

In England und Deutschland, wo Napoleon verhasst war, erzählten Theaterstücke, Gedichte und Lieder von meinem Schicksal.

Moderation:

Um 1830 zog im Sommer Europas Oberschicht in eines der berühmten Bäder. Doch wohin im Winter? Meran hatte zwar kein Heilwasser zu bieten, aber ein bekömmliches Klima, viel milder als nördlich der Alpen. Das nutzte der damalige Bürgermeister Haller und machte Werbung für die Stadt Meran.

Bürgermeister Haller von Meran – Auf zur Kur (Philipp Pircher)

Ach ja, unser kleines altes Städtchen Meran ist inzwischen zu einem richtigen Kurort aufgestiegen. Immer mehr Gäste suchen das idyllische, kleine Städtchen auf, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Früher hätte ich mir das nie gedacht, dass aus diesem kleinen „Bauerndorf“ einmal eine so hoch entwickelte Kurhochburg entstehen kann.

Als 1835 die Fürstin von Schwarzenburg mit ihrem Hausarzt nach Meran kam, pries er unsere unglaubliche Luft, dann die Molke und zu guter Letzt die Trauben. Damit fiel der Startschuss. Mein Vorgänger fing mit seinen weitreichenden Ideen bereits an, die ich dann fertigstellte.

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1874 konnten wir dann endlich das Meraner Kurhaus eröffnen. Ein Zentrum der adeligen Elite wurde geschaffen. Ein Stadttheater, ein Thermalbad und die bekannte Meraner Kurpromenade wurden nach und nach errichtet.

Vieles jedoch haben wir auch unserer Kaiserin Elisabeth auch bekannt unter Sissi zu verdanken. Sie kommt regelmäßig zu uns nach Meran und residiert in dem wunderschönen Schloss Trautmannsdorff. Sie kam wegen ihrer Lungenprobleme und natürlich auch, um der strengen Hofetikette entfliehen zu können.

Nun möchte ich ihnen noch einen kleinen Brief von unserer Sissi an ihren Franzl vorlesen:

Lieber Franz,

die Gegend hier ist wunderschön. Es wachsen Granatäpfel, Zypressen, Oliven und Kastanien im Freien.
Die Stadt ist klein und alt und es gibt auch eine Promenade mit Musik, wo man viele Kranke sieht die Trauben essen.

In Liebe
Deine Sissi

Moderation:

Eine zauberische Erfindung half den Reisenden schneller weiter zu kommen. Durch die Eisenbahn schrumpften die Entfernungen. Die Landschaft flog an den Fenstern vorbei, man reiste nahezu mühelos. Zwei große Schleifen, um Höhe zu gewinnen, zehn Brücken, zwanzig Tunnel: die 1867 eröffnete Bahnlinie über den Brenner war eine technische Sensation. Auch Kaiserin Elisabeth war 1870 bei ihrer ersten Fahrt von der Strecke begeistert.
Aber lassen wir unsere Kaiserin selbst erzählen:

Kaiserin Sissy (Annalena Unterweger)

Es ist immer wieder schön nach Meran zu reisen. Mein erster Besuch war – wie schon gehört – 1870. Meine damals 2jährige Tochter Marie Valerie war ständig krank und so entschied ich damals wegen des milden Klimas nach Meran zu kommen. Wir wanderten viel, genossen die frische Luft und die Sonne und nach 8 Monaten kehrten wir wieder nach Wien zurück.

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Nach dem Tod meines geliebten Sohnes Rudolf entschloss ich wieder nach Meran zu kommen, um mich hier an alte Zeiten zu erinnern. Seitdem war ich als „Frau in Schwarz“ bekannt.
Und jetzt ein Jahrhundert nach meinem Tod stehe ich wieder hier in Trautmannsdorff und erzähle aus meinem Leben. Vieles erinnert an mich, z. B. der Sissiweg oder die Sissi-Statue an meinem alten Lieblingsplatz …
Nun bin ich müde und werde Sie verlassen. Genießen Sie die weitere Führung durch die Tourismusgeschichte.

Moderation:

Nicht immer waren die Gäste willkommen. Die Kirche sah mit den Touristen viel Unheil nahen: städtische Kultur, liberale Ideen und sündiges Leben. Doch ihr Widerstand war vergeblich. Immer mehr Tiroler stellten sich in den Dienst der Fremden.

Abenteurer wagten sich auf die höchsten Gipfel vor. Ihre Berichte begeisterten vor allem die Städter. Alpenvereine errichteten ein dichtes Netz an Schutzhütten und Wegen, die Berge wurden zum Erlebnisraum. Die ersten Fotoapparate entstanden. Schutzhütten sprossen wie Pilze aus dem Boden.

Die heile Welt, die Glitzerwelt der Hotels versank im Ersten Weltkrieg, durch das Urlaubsparadies verlief die Front. Hotels wurden zum Lazarett oder erlitten schwere Schäden durch Treffer. Am Ende der Kämpfe wurde Tirol geteilt.

In Südtirol entstanden unruhige Zeiten, aber auch neue Gäste kamen. Am Ende des Krieges kamen Italiener in Scharen. Reisend nahmen sie das neue Gebiet in Besitz.

Visitate l‘Alto Adige (Lena Jörg, Jasmin Psenner)

Luisa: Mammamia, finalmente siamo arrivati in quel bel paese che si chiama Alto Adige.

Maria: Luisa hai visto che belle montagne che hanno e come sono alti?

Luisa: Si ho visto veramente belle, ancora impolverate di neve sulle cime, e quel cielo azzurro, un sogno.

Maria: E quell’aria pulita che si respira qui, come profumo.

Luisa: E hai visto i primi fiori primaverili che coloriscono già i valli, come un quadro pittaresco.

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Maria: E io ho sentito che si mangia veramente bene e la cucina tipica locale è veramente una cosa per buongustai.

Luisa: E poi sono conosciuti e premiati molti vini della zona.

Maria: Dai Luisa affrettiamoci per poter gustare e vedere più possibile di questo paese di favola.

Moderation:

Nach diesem kurzen Aufschwung erlebte der Tourismus in Südtirol neuerdings einen Einbruch. Der zweite Weltkrieg füllte die Hotels mit Verwundeten. Südtiroler standen vor den Entscheidung: auswandern oder da bleiben.

Nach dem zweiten Weltkrieg war der Wunsch nach heiler Welt, Sonne und Sand, rotem Wein und „Bella Italia“ besonders groß. Das eigene Auto wird zum Fahrzeug in den Urlaub.

Die Brennerautobahn: Die Lawine rollt

Auf der neuen Brennerautobahn kamen die Massen der Urlauber rasch voran. Die Alpen wandelten sich zum ganzjährig geöffneten Erlebnispark, Südtirol verbuchte dank des Wintersports enormen Zulauf.

“Verkehr ist Leben”
1971 ist die Autobahn von Innsbruck zum Brenner fertig gebaut.

Deutscher Gast: Jasmin Obkircher

Meine Koffer sind gepackt und in meiner Isetta verstaut. Links und rechts fliegen die schöne Landschaft und die hohen Berge an mir vorbei. Rasend schnell, dass man ganz schwindelig wird. Schnell komme ich jetzt von Deutschland nach Südtirol oder ins schöne „Bella Italia“. Jedes Jahr, wenn ich in den Urlaub nach Meran fahre, genieße ich die Fahrt auf der neuen Brennerautobahn.

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Moderation:

Viele Bauern und Privatpersonen nahmen Gäste auf und stellten die eigenen Zimmer zur Verfügung. Das brachte in vielen Familien Unruhe.

Heimat zu vermieten (Kinder) (Rebecca Ungerer und Laetitia Pedross)

A: Puh … Jetzt fängt bald die Saison an, da heißt es wieder raus aus unseren Zimmern, damit wir sie die Gäste vermieten können.

B: Ganz am Anfang hatten wir hier ja nur ein Plumpsklo und eine Etagendusche. In jedem Zimmer standen eine Schüssel, ein 3-Liter-Wasserkrug und ein Eimer für das schmutzige Wasser oder um sauberes Wasser zu holen.

A: Genau! Und der Tata fuhr immer mit dem Einkaufszettel der Mutter und einem Rucksack mit seinem Motorrad ins Tal um einzukaufen. Das war nicht immer so leicht, denn die Wege waren ja nicht asphaltiert.

B: Die Gäste kamen auch immer in die Küche, um warmes Wasser zu holen, damit sie Zähne putzen konnten. Wir selbst mussten das Wasser zuerst vom Brunnen im Freien holen. Heute haben die Gäste ja Duschen und Toiletten in ihren Zimmern.

A: Seit kurzem erst gibt es bei uns ein Telefon. Vorher mussten die Gäste in ein Register eingetragen werden und das wurde dann ins Verkehrsamt gebracht, damit die Gäste angemeldet werden konnten.

B: Die Heizung in den Zimmern haben wir fast zur selben Zeit installiert wie das Telefon.
Das war ja immer so aufwendig Reservierungen über Briefkontakt zu machen. Das dauerte immer so lange, bis man eine Antwort der Gäste erhielt.

A: Jetzt gibt es diese neue Erfindung … – … den Computer glaube ich.
Die Hoteliers gehen dann immer zum Postmeister, wenn sie sich mit den Gästen über diesen Computer in Verbindung setzen wollen.

B: Ich würde jetzt gern „Fernseher schauen“, schließlich sind wir da die ersten im Dorf, die einen Fernseher haben, weil wir ihn von den Gästen geschenkt bekommen haben. Aber ich muss jetzt Mama helfen Brot backen.

A: Ich gehe in den Garten um Gemüse für das Mittagessen zu holen.

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Moderation:

Ja, eine Art Goldrausch erfasste Südtirol und veränderte rasant sein Gesicht. Bauernhöfe wuchsen zu Bettenburgen, stille Dörfer zu quirligen Touristenzentren.
Mancher Einheimische fühlte sich etwas eingeengt und strengere Baugesetze entstanden.

Südtirol hat sich gut auf den intensiven Tourismus eingestellt. Gastronomie, Skipisten, Wanderwege – all seine Attraktionen genießen auch die Einheimischen. Die Branche ist nicht fremdbestimmt, sondern fest mit dem Land verwoben und Basis für Wohlstand.

Heute haben wir Einsicht in Hotels der ganzen Welt. Das Bestehen in dieser Branche ist härter geworden.

Zurück in die Gegenwart – das gläserne Hotel (…..)

Früher, in den Prospekten war jedes Hotel nett und in bester Lage. Mit den Tricks der Bildbearbeitung verschwanden sogar Straßen.

Heute hingegen im Internet ist jedes Haus schon von daheim zu überprüfen. Und in Bewertungsportalen bestimmen die Gäste, welches Bild sich verbreitet. Ihr Lob, aber auch ihr Tadel bleibt für Ewigkeiten im Netz. Bewertungsportale werden immer wichtiger und umfangreicher. Längst werden auch mittelständische und kleine Hotels online bewertet.

Kaum etwas beeinflusst eine Entscheidung so sehr, wie die Meinungen und Bewertungen von anderen Gästen. Oder aus der Sicht der Betriebe: Bewertungen und Erfahrungsberichte sind Werbemaßnahmen zur Gästegewinnung im Internet.

Schülerin heute: Sara Targa

Aber am liebsten habe ich mein Smartphone. Ich brauche keine Landkarten mehr zum Reisen, keinen Kompass, keinen Fotoapparat, keinen Wetterdienst, keine Uhr, Taschenlampe, Notizzettel, Aufnahmegeräte, Wecker, Zimmerschlüssel,  ja sogar Zeitungen und Zeitschriften – all diese Dinge und noch vieles finde ich hier …in meinem (Handy zeigen….)

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So, jetzt wird es aber Zeit für mich, meine Koffer zu packen: Denn…wie das Sprichwort sagt.

„Reisen ist in der Jugend ein Teil der Erziehung, im Alter ein Teil der Erfahrung!“

Moderation:

Wir haben aus der Vergangenheit viel gelernt und wir wollen mit diesem Wissen, mit Hilfe unserer Eltern und Lehrpersonen und unserer Kreativität und unserem Engagement an der Tourismusgeschichte weiter bauen.

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Zweimillionste Besucher(innen) kommen aus dem Pustertal

Das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus in Meran hat am Donnerstag den zweimillionsten Besucher seit seiner Eröffnung im Jahre 2003 begrüßt. Anna Galler und Anna Graf aus dem Pustertal freuten sich sehr über den prominenten Empfang im Schlosshof.

von links nach rechts: Landesrätin Sabina Kasslatter Mur, Anna Graf, Anna Galler, Bundesministerin Claudia Schmied, Vizedirektor Patrick Gasser, Museumsdirektor Paul Rösch

von links nach rechts: Landesrätin Sabina Kasslatter Mur, Anna Graf, Anna Galler, Bundesministerin Claudia Schmied, Vizedirektor Patrick Gasser, Museumsdirektor Paul Rösch

Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter Mur überraschte zusammen mit der österreichischen Bundesministerin Claudia Schmied Anna Graf aus Pfalzen und Anna Galler aus St. Lorenzen mit einem Blumenstrauß, einer Familien-Jahreskarte für die Südtiroler Museen sowie einer Tasche mit Publikationen des Touriseums.

Am Samstag, 21. September beteiligt sich das Touriseum an der Langen Nacht der Museen. Dieser Abend bietet die einmalige Gelegenheit Schloss Trauttmansdorff und das Touriseum bis Mitternacht zu besuchen. Der Eintritt ist ab 19 Uhr frei.

Foto: Touriseum/Simon Staffler

Südtiroler Tourismus im Wandel

Das Touriseum ist jetzt zehn Jahre alt. Seit seiner Eröffnung 2003 hat sich das Urlaubsverhalten stark verändert. Internet und Smartphones haben unsere Sicht auf die Welt revolutioniert. Unsere Ansprüche an das Leben und seine freie Zeit sind gestiegen. Zugleich aber sind Klimawandel und die Folgen der Mobilität so deutlich zu erkennen wie nie zuvor. Unsere diesjährige Sonderausstellung Urlaub_vacanze 2.0 zeigt einige dieser Veränderungen im Urlaubsland Südtirol auf. Sie zeigt auch, wie die Branche darauf reagiert oder sie sogar bewirkt. Und wir deuten in elf Trends an, wohin die Reise gehen könnte.