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Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 3)

 

Teplitz-Schönau (1895 – 1899)

Im Oktober 1895 gab Josef Haberzettl im Teplitz-Schönauer Anzeiger die pachtweise Übernahme des fürstlich Clary’schen Schlossgarten-Restaurant bekannt. (Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 5. Oktober 1895)

Anzeige im Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 5. Oktober 1895, Österreichische Nationalbibliothek..

 

Zu diesem Zeitpunkt war Josef Haberzettl 39 Jahre alt.  Die Stadtverwaltung von Teplitz begründete ihre Entscheidung, ihm eine Konzession zur Führung einer Restauration, wie man damals sagte, zu geben mit der “Reihe vorzüglicher Zeugnisse”, die “nachweisen, daß er als Küchenchef hervorragender Häuser im In- und Auslande das Beste in seinem Fache leistete”.

In den „neurenovirten Localitäten“ servierte er „feinste französische, deutsche und Wiener Küche“ und bot “feinste Bordeaux, Burgunder-, Rhein- und Moselweine” an, aber auch verschiedene Biere, wie Pilsner, Münchner Löwenbräu und Turner Bier.

Das Restaurant hatte vermutlich von Mai bis Ende September für die Kurgäste geöffnet. In dieser Zeit wurden Mittags – Konzerte  oder auch große Abendkonzerte mit Feuerwerk veranstaltet.

 

Inserat von Josef Haberzettl im Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 22. Mai 1897, Österreichische Nationalbibliothek.

 

Im Oktober wurden “Tanzkurse verbunden mit Anstandslehre” im fürstlich Clary’schen Gartensaal angeboten, in den Wintermonaten bot Haberzettl seine Lokalitäten für Hochzeiten, Festlichkeiten, Diners oder Bälle an und auch seine Dienste für die Zubereitung von kalten Buffets oder kalten Platten. Wir würden heute sagen: Saal-Vermietung mit Catering.

 

Der nächste Schritt auf der Karriereleiter wird durch folgendes Inserat Ende Oktober 1899 angekündigt:

“Übersiedlungshalber in’s Ausland verkaufe, um Zoll- und Frachtspesen zu ersparen, mein sehr fein gewähltes Lager von Bordeaux-, Burgunder-, Rhein- und Moselweinen der bestrenommiertesten Firmen (…)”, außerdem verkaufte Josef Haberzettl Kupfer- und Stahl-Kochgeschirr, verschiedene Kücheneinrichtungsgegenstände, Servis-Plateaus, Holzgefäße, Arbeitstische, ein Kanapé, einen zweisitzigen Kinderwagen, Kinderbetten, Bettstellen, Speis- und Vorratsschränke, einen großen Eiskasten und vieles mehr.

Ein großer Haushalt wurde hier aufgelöst. Die Familie Haberzettl hatte in der Teplitzer Zeit Zuwachs bekommen, im November 1895 wurde Sohn Fritz geboren und im Juli 1899 Tochter Margarethe.

 

Ostseebad Kolberg (1899 – 1913)

Die nächste Station wurde das Hotel Strandschloss im See-, Sol- und Moorbad Kolberg an der Ostsee (Kolobrzeg – im heutigen Polen).

 

Hotel Strandschloss, Kolberg, Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern https://digitale-bibliothek-mv.de/viewer/image/PPN1668791587_1912/44/

Mit “Strandschloss” wurde das Kurhaus des Ostseebades bezeichnet, das mit einem Hotel verbunden war. Es befand sich direkt am Strand und wurde 1899 von den Berliner Architekten Höniger & Sedelmeier (Hoeniger & Sedelmeyer) als ein Renaissancebau mit charakteristischen Türmen und Erkern neu errichtet. (Siehe dazu Deutsche Bauzeitung Heft 5 vom 2. Mai 1900.)

Im Kurhaus gab es einen Konzertsaal, Speisesaal und Restaurationshallen, der Hotelbau enthielt im Erdgeschoss ein Spiel-, Lese- und Musikzimmer und in den oberen Stockwerken 53  bzw. spätere Angaben sprachen von 60 Fremdenzimmern. Die Säle für die Table- d’hote des Hotels lagen im 1. Geschoss über dem Speisesaal des Kurhauses.

In einer Besprechung des Hotels von 1909 liest man: „Der Besitzer dieses feinen Hauses, Herr Haberzettel, ist ein Österreicher und bringt als solcher neben der deutschen und französischen  auch die Wiener Küche zu den gebührenden Ehren.“ (Deutsch-Englischer-Reise- Courier vom 1. Mai 1909). Das Haus war zudem mit Lift, Wasserklosetts und einer Auto-Garage für 5 Autos ausgestattet.

 

Werbeinserat in der Zeitschrift “Deutsch-Englischer-Reise-Courier” von 1909, Österreichische Nationalbibliothek.

 

 

(Fortsetzung folgt)

Karin Maringgele

Stets zu Diensten – Teil 3

Tellerwäscher + Hausmeister dringend gesucht!!

 

Es ist Hochsaison. Das Grandhotel Royal benötigt dringend einen Tellerwäscher und einen Hausmeister, da es zu einer spontanen Kündigung kam. Angeblich wegen der schlechten Bezahlung und der vielen Überstunden.

Der stellvertretende Direktor steht unter großem Druck. Man erwartet von ihm, dass er die offenen Stellen so rasch als möglich besetzt und gleichzeitig keine großen Zugeständnisse an Bezahlung macht.

Zwei Bewerbungsschreiben sind bereits eingegangen:

 

Tellerwäscher Florian

 

Tellerwäscher

Florian ist erst zwölf aber da zuhause am Bauernhof nicht genug da ist, um alle Kinder durchzufüttern, muss er eine Arbeit suchen. Von seiner großen Schwester, die als Zimmermädchen im Grand Hotel arbeitet, hat er gehört, dass sie dringend einen Tellerwäscher suchen. Der alte hat getrunken und wurde gefeuert. Florian kann fest anpacken und weiß, was harte Arbeit bedeutet. Im Sommer hilft er als Hirte auf der Alm und seit seinem Weggang von der Schule, hat er dem Vater am Hof geholfen. Aber jetzt im Winter ist nicht so viel zu tun und zuhause sind sie froh, wenn ein Esser weniger da ist. Florian will mit dem Geld, das er verdient, eine Ziege kaufen und im Sommer mit dem Verkauf der Milch an die feinen Damen seiner Familie helfen. In ein paar Minuten steht er dem stellvertretenden Hoteldirektor gegenüber. Er ist sehr aufgeregt. Hoffentlich macht er keinen schlechten Eindruck.

 

 

 

 

Hausmeister Otto

Hausmeister

 

Überhaupt nicht aufgeregt ist hingegen Otto, der sich ebenfalls für eine Arbeit bewirbt. Allerdings in gehobener Position, nämlich als Hausmeister. Otto ist Ende Zwanzig und hat die Arbeit von der Pike an gelernt. Er hat in vielen großen Hotels gearbeitet. Ein Jahr lang sogar in einem Nobelhotel in London. Er beherrscht zwei Fremdsprachen, ist sehr charmant und redegewandt, aber gleichzeitig diskret.  Seine Referenzen sind sehr gut. Otto weiß, dass er die besten Chancen hat, die Arbeit als Hausmeister zu bekommen. „Die können froh sein, dass sie in so einem Kuhdorf einen so qualifizierten Mitarbeiter bekommen. Ich werde jedenfalls hart verhandeln: ein eigenes Zimmer, einen freien Tag und das Gehalt muss auch stimmen“.

 

 

Ruth Engl – Vermittlung

Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 2)

 

 

Familienleben zwischen Meran und Karlsbad

 

Im Oktober 1887 kam Josef Haberzettl wieder in den Habsburgerhof nach Meran. Diesmal wurde er in der Anmeldung als Küchenchef bezeichnet und unter den Anmerkungen steht der interessante Eintrag: „mit Frau“.

 

Anmeldeprotokoll von 1887, Stadtarchiv Meran.

Seine Frau, Luise Lössl, hatte ihn offenbar nach Meran begleitet. Sie war 12 Jahre jünger als er und stammte aus Ortenburg in Niederbayern. Im Oktober 1887 war sie gerade 18 Jahre alt.

Im Sommer 1888 dürfte Josef Haberzettl mit seiner Frau wieder nach Karlsbad zurückgekehrt sein. Wahrscheinlich arbeitete er dort oder in einem anderen böhmischen Kurort in der Umgebung. Die dortige Kursaison, die ca. von Mai bis Oktober lief, war eine passende Ergänzung zur Saison in Meran.

 

Karlsbad, Sammlung Touriseum.

 

Der Geburtsort der ersten beiden Kinder, Viktor und Rosa, deutet auf einen konstanten Aufenthalt in Karlsbad hin: Viktor wurde im Oktober 1888 in Karlsbad geboren und Rosa im Oktober 1894.

Karlsbad dürfte auch der Wohnort seiner Eltern, Johann und Elisabeth, gewesen sein. Beide starben in Karlsbad. Das Datum ist leider unbekannt.

Ein großes Dankeschön für diese Informationen geht an die Abteilung Archiv, Kultur und Bildung von Bad Kissingen, die mir die Meldedaten von Josef Haberzettl zukommen ließ.

Johann Haberzettl, Josefs Vater, war von Beruf Gastwirt.

Vielleicht war er jener Johann Haberzettl, der 1879 in einem Inserat im „Neuigkeits-Welt-Blatt“ einen Pächter oder Käufer für sein Gasthaus „zur goldenen Krone“ in der Stadt Theusing suchte. Er dürfte sich zum Zeitpunkt der Anzeige bereits in Karlsbad aufgehalten haben.  „Näheres beim Eigenthümer Johann Haberzettl, Gattis Bierhalle in Karlsbad, Böhmen.“ hieß es am Ende der Anzeige.

 

Anzeige im (Neuigkeits) Welt Blatt vom 3. September 1879, Österreichische Nationalbibliothek.

Johann und Elisabeth Haberzettl scheinen im Karlsbader Adressbuch von 1888 als Besitzer des Hauses „Am Rhein“ in der Andreasgasse 120 auf. Das Adressbuch listet die Karlsbader Häuser nach ihren Hausschildern auf.  Johann Haberzettl wird als Restaurateur angeführt, aber ob das Haus „Am Rhein“ eine Restauration war, kann ich nicht nachprüfen.

Im Herbst 1890 brachte Josef Haberzettl seinen jüngeren Bruder Friedrich mit nach Meran.

Fritz Haberzettl wurde als 2. Koch im Habsburgerhof angestellt. Er sollte noch längere Zeit in Meran bleiben, wurde Küchenchef im Hotel Tirolerhof, war 1897 Gründungsmitglied der Sektion Meran des Genfer Verbandes und 1899 Gründungsmitglied des Klubs der Köche Merans.

Hotel Tirolerhof der Familie Auffingen, späterer Arbeitsplatz des Fritz Haberzettl, Sammlung Touriseum.

 

Ein Jahr später, im Herbst 1891 bringt Josef Haberzettl seine Frau und seinen 3-jährigen Sohn mit nach Meran. Neben den üblichen Daten wird im Melderegister angemerkt: „mit Frau und Kind“.

Anmeldeprotokoll von 1891, Stadtarchiv Meran.

Ob die Familie Haberzettl im Habsburgerhof oder in einer Privatunterkunft wohnten, bleibt unklar.

Die letzte Saison von Josef Haberzettl im Habsburgerhof war die Wintersaison 1892.

Ihm folgten als Küchenchefs im Herbst 1893 Alois Lang, auch ein Deutschböhme aus Tepl bei Marienbad, und Ende September 1895 wurde Fritz Unterer aus Karlsbad angemeldet.

 

Über Josef Haberzettl in Meran finden sich in den folgenden Jahren nur mehr spärliche Informationen. Er taucht im Meraner Adressbuch von 1894 mit der Wohnadresse, Sandplatz 1, auf. Dies könnte bedeuten, dass er in der Wintersaison 1893-94 im Hotel Erzherzog Johann als Küchenchef beschäftigt war. Leider wird diese Information weder im Anmeldeprotokoll dieses Jahres bestätigt.

Sicher ist jedoch, dass Josef Haberzettl im Herbst 1895 seinen Lebensmittelpunkt in den böhmischen Kurort Teplitz-Schönau verlegte.

 

Fortsetzung folgt.

 

Karin Maringgele

Josef Haberzettl – Vom Küchenchef zum Hotelier (Teil 1)

Meran – Karlsbad – Teplitz – Kolberg – Bad Kissingen

 

In der heutigen Geschichte geht es um Josef Haberzettl.

Er war gebürtiger Deutschböhme aus der Stadt Theusing, in der Nähe von Karlsbad, Jahrgang 1857.

Josef Haberzettl arbeitete als Küchenchef im Meraner Habsburgerhof, pachtete später in Teplitz-Schönau eine Restauration, führte im Ostseebad Kolberg ein Hotel und kaufte 1913 in Bad Kissingen ein Hotel.

Von ihm gibt es leider keine Fotografien und keine persönlichen Dokumente, wie Arbeitsverträge oder Arbeitszeugnisse. Er hat seine Spuren in amtlichen Quellen, wie den Melderegistern von Meran und Bad Kissingen, und in den damaligen Tageszeitungen hinterlassen, dort vor allem im Werbeanzeigenteil.

 

Meran (1886 – 1893)

 

Eine wichtige Quelle, die uns über die Tätigkeit, Herkunft und Geburtsdaten von Personen Auskunft gibt, die in Meran arbeiteten, aber nicht hier geboren waren, befindet sich im Meraner Stadtarchiv.

Es handelt sich dabei um die Anmeldebücher der Stadt Meran, die für die Jahre 1882 – 1889 vorhanden sind. Dort wurden die Anmeldungen der Dienstboten, Gesellen, Lehrlinge oder Arbeiter eingetragen, unter Angabe der Namen der Arbeitgeber oder Dienstherren, der Namen der Bediensteten, der Eigenschaft des Dienstes, des Alters bzw. Geburtsjahrs und –orts, der Heimatgemeinde und des Eintritts-  und Austrittstages.

Auch die Bediensteten der Meraner Hotels sind dort aufgelistet und geben für die Erforschung der Altersstruktur und/oder Herkunft der Hotelangestellten einen wunderbaren Datenpool her. Mit Meran ist leider nur das Stadtgebiet gemeint. Das bedeutet, dass zum Beispiel für das Grand Hotel Meranerhof, das damals zur Gemeinde Untermais zählte, keine Einträge vorhanden sind.

 

Anmeldeprotokoll der Stadt Meran von 1886, Stadtarchiv Meran – zum Vergrößern Bild anklicken

 

Der erste Eintrag zu Josef Haberzettl findet sich im Jahre 1886.

Der damals 29-Jährige wurde am 28. Oktober 1886 in Meran im Hotel Habsburgerhof als Koch angemeldet und blieb bis zum 28. Mai 1887.

Der Pächter des Habsburgerhofes war zu dieser Zeit der Hotelier August Bracher, der zu dieser Zeit bereits das Hotel Bellevue in Gmunden erfolgreich führte. Ein sehr interessantes Porträt dieses Hoteliers findet sich in Hans H. Reimers Buch „Es waren Fremde. 100 „luttrische“ Pioniere des Weltkurorts Meran im 19. und 20. Jahrhundert.“ https://www.studienverlag.at/buecher/5946/es-waren-fremde/

 

Hotel Habsburgerhof in Meran, Sammlung Touriseum

 

Aufgrund der Eintragungen in die Anmeldebücher von Meran kann nachvollzogen werden, dass Josef Haberzettl sechs Saisonen lang, von 1886 bis ins Jahr 1893, im Meraner Habsburgerhof als Küchenchef Dienst tat.

 

Sommer in Meran

 

Die Hauptsaison für den Kurort Meran startete damals im September/Oktober und ging bis Mai/Juni. Im Sommer dürfte Meran fast menschenleer gewesen sein.

Carel von Nievelt, ein niederländischer Reisender, beschreibt den Sommer im Kurort Meran folgendermaßen:

„Sono gli ultimi giorni di giugno – Merano dorme il suo sonno estivo. Le centinaia di alberghi e pensioni, magioni e castelli, in autunno e inverno e primavera adibiti ad alloggi per ospiti sani e malati di ogni sorta di classe e Paese, ora sono vuoti e hanno serrato le loro finestre, come occhi che si chiudono per la luce troppo intensa, con tende e imposte. Maia Alta sembra disabitata. Vuote le panchine del Kurgarten, dove poco fa erano tanti gli asmatici che si fermavano per inspirare i profumi di aprile. (…) nel Kurhaus basta un solo cameriere per servire i due o tre ospiti fuori stagione.“

(aus: Carel van Nievelt, Jérome Alexander Sillem, Nella terra delle Dolomiti. Due olandesi tra i monti di corallo 1884-1887. A cura di Maurizio Casagranda Bepi Pellegrinon, 2019 Nuovi Sentieri Editore, Falcade BL)

 

Meran schläft seinen Sommerschlaf, schreibt Nievelt. Die zahlreichen Hotels und Pensionen, die im Herbst, Winter und Frühling als Unterkünfte für gesunde und kranke Gäste aller Klassen und Länder dienen, stehen nun leer. Obermais scheint unbewohnt zu sein und die Parkbänke des Kurgartens, damit ist wohl die Kurpromenade gemeint, sind leer. Im Kurhaus, wo sich sonst die zahlreichen Gäste tummeln, wird nur noch ein Kellner benötigt, um die zwei oder drei Gäste außerhalb der Saison zu bedienen.

 

Sobald die Saison im Frühjahr in Meran zur Neige ging, fand ein regelrechter Exodus statt. Die Hotelangestellten und die Pensionsbesitzer machten sich auf den Weg in die Sommerfrischorte oder in die Sommerkurorte, aber nicht zum Urlauben sondern zum Arbeiten.

 

Saisonbedingtes Reisen

 

Das Arbeitsleben im Hotel war geprägt vom saisonbedingten Wechsel des Arbeitsorts, Jahresstellen waren rar. Die meisten Pensionen führten ein Winterhaus und ein Sommerhaus, nach dem Motto „September-Mai in Meran, Sommer im Gebirge“. So die Überschrift eines Stelleninserats aus der Meraner Zeitung von 1913.

 

Stelleninserat in der Meraner Zeitung von Oktober 1913

Inserat einer raren Jahresstelle aus der Meraner Zeitung vom Oktober 1911

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche Meraner Hotel- und Pensionsbesitzer hatten neben der Pension oder dem Hotel in Meran auch ein zweites Haus im Gebirge, zum Beispiel in Tiers, Seis am Schlern, Sulden, am Karersee, in Ammerwald/Reutte, Igls, auf der Mendel oder in San Martino di Castrozza.

 

Inserat von Gottfried Bunte im Adressbuch von Meran aus dem Jahr 1904

 

Fortsetzung folgt.

Karin Maringgele – wissenschaftliche Mitarbeiterin

Stets zu Diensten – Teil 2

Heute möchte ich euch weitere „gute Geister“ vorstellen, die heute teilweise nur noch in den luxuriösen Grandhotel zu finden sind.

Wie immer könnt ihr die Papierpuppen vom Designerkollektiv Marmeolab  http://marameolab.net/ herunterladen und ausschneiden. Viel Spaß dabei!

 

Hier der Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Chefportier

Chefconcierge Fritz

Seit mehr als 30 Jahren betreue ich persönlich hier die Gäste im Grand Hotel. Chefconcierge Fritz ist mein Name. Ich gehöre inzwischen schon fast zum Inventar des Hotels.

Für meine Gäste habe ich immer ein offenes Ohr. Dazu gehört, dass ich mindestens zwei Fremdsprachen perfekt beherrsche. Ich kenne die Vorlieben der Gäste, ihre Angewohnheiten aber auch ihre Launen. Es gibt auch manchmal heikle Situationen, wo meine Diskretion gefragt ist.

Im Lauf der Jahre habe ich ein Buch angelegt, in dem alle Gäste mit ihren Bedürfnissen und Wünschen angeführt sind. So weiß ich genau, was jeder Gast benötigt oder auf was er Wert legt. Wenn ein Gast einen Sonderwunsch hat, kommt er zuerst zu mir. Einmal mussten wir für einen bekannten Schauspieler einen Elefanten in die Hotellobby bringen. Das war ein Spektakel. Ein Nein als Antwort kommt bei mir selten vor. Ich muss mich aber nicht nur um die Gäste kümmern, sondern auch um die Portiers und Hotelpagen. Sie gehören zu meinem Team. Das Hotel und die Gäste sind meine Ersatzfamilie, aber jetzt wird es Zeit, dass ich mich zur Ruhe setze und mein Privatleben genieße.

 

Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Koffertraeger

Kofferträger Fridolin

Ich habe alles im Griff (Koffer), jedenfalls für die paar Meter von der Hoteldrehtür bis zum Fahrstuhl und von dort bis zur Zimmertür. Ich trage Koffer und trotz der großen Lasten versuche ich immer zu lächeln! Das ist wichtig, schließlich bin ich die erste Figur, die Kontakt mit dem Gast hat. Außerdem bringt es viel Trinkgeld ein. Was ist sonst noch mache? Botengänge für die Gäste, Hunde ausführen und Schuhe putzen.

Wenn mal nichts zu tun ist, stehe ich als Visitenkarte vor dem Hotel.

So wie in diesem Moment. In wenigen Minuten erwarte ich Baroness von Wegerhoff und bin schon gespannt auf das ganze Gepäck und deren Kofferaufkleber.

 

Link zum Herunterladen der Anziehpuppe: Touriseum_Hotelpage

Hotelpage Emil

Ich zupfe kurz meine weißen Handschuhe zurecht und überprüfe die polierten schwarzen Schuhe und die 23 Goldknöpfe auf meinem Jackett. Die Uniform sitzt perfekt!

Mein Aufzug ist eine Augenweide aus Samt und Messing mit Lampen und Polsterbänkchen. Man fühlt sich hier wie in einem gemütlichen Wohnzimmer.

Mein Fachgebiet ist die Menschenkenntnis. Ich kenne die Wünsche und Erwartungen meiner Gäste, auch ihre Eigenheiten und Vorlieben. Außerdem bin ich sehr diskret. Es passiert schon ab und zu, dass ein Herr mit einer Dame einen Kuss im Lift tauscht.

Die meisten Gäste nehmen mich kaum wahr. Manchmal fühle ich mich wie ein Möbelstück.

Es ist wirklich nichts leichter als einen Lift zu bedienen…, obwohl ich bei meinen ersten Fahrten oft uneben gelandet bin.

Ich lächele viel und sage zu meinen Gästen: „Monsieur et Madame und watch your step“! Der Baroness von Wegerhoff biete ich meinen Arm an als Stütze beim Aussteigen.

 

Ruth Engl – Vermittlung

 

Stets zu Diensten

 

Ergänzend zur neuen Blogserie „Arbeitswelt Hotel“, habe ich ein neues Vermittlungsformat für Schulen entwickelt und sobald das Museum wieder öffnet, können Schülerinnen und Schüler in die unterschiedlichsten Rollen der Dienstleistungsberufe im Hotel- und Gastgewerbe schlüpfen. Dabei erhalten sie einen Einblick in die einstige Personalhierarchie und erkennen, was es heißt, eine gute Dienstleistung zu bieten und was nicht. Das Vermittlungsangebot „Stets zu Diensten“ führt in die Rolle des Personals und ihre Aufgaben ein und soll damit erlebbar werden.

Passend dazu hat das Designerkollektiv Marmeolab  http://marameolab.net/ Anziehpuppen aus Papier gefertigt, die man herunterladen und ausschneiden kann. Sobald wir wieder geöffnet sind, kann man sie auch in unserem Museumsshop erwerben.

Zimmermädchen Anziehpuppe

Hier der Link zum Herunterladen: Touriseum_Zimmermaedchen copia

Heute beginnen wir mit den Zimmermädchen, die oft in den Augen der Gäste ein Schattendasein führten.

Zimmermädchen Auguste

Ich muss mich beeilen, fast hätte ich verschlafen. Ich laufe vorbei am Portier, der den Gästen die prunkvolle Hoteltür öffnet. Während sie in die Eingangshalle mit dem funkelnden Kronleuchter gelangen, betrete ich das Hotel durch den Hintereingang. Es stinkt hier ziemlich, der Müll des Hauses wird direkt vor der Tür entsorgt. In einem kleinen Nebenraum ziehe ich mich um: Schwarzes Kleid, weiße lange Schürze und Häubchen.

Am liebsten putze ich, wenn die Gäste nicht da sind. Manchmal schaffe ich ein Zimmer in weniger als zehn Minuten. Eigentlich sollte ich die Zimmer nach Plan reinigen, aber zuerst putze ich die Zimmer der Gäste, die bleiben. Sobald sie frühstücken gehen, komme ich rasch aus meinem Winkel hervor, dringe ins Zimmer ein und mache mit der Geschwindigkeit einer Räuberin die Arbeit!

Das Regenwetter lädt dazu sein, dass die Gäste auf ihren Zimmern bleiben. Es ist wie verhext! Wie soll ich das alles rechtzeitig hinbekommen?

Zimmermädchen Charlotte

Sieben Uhr morgens, das Luxushotel erwacht zum Leben. Als eine der ersten kommt Zimmermädchen Charlotte. Sie verdient am wenigsten. Es ist ihre erste Saison.

Drei Tage bin ich zum Anlernen mit einem anderen Zimmermädchen mitgegangen. Dann erst durfte ich mein erstes Zimmer für den Gast fertig machen. Zum Herrichten eines Zimmers gibt es einen strengen Ablaufplan. Ich muss jeden Tag zum Beispiel die Betten beziehen und so eine Bettgarnitur besteht aus neun Teilen mit Wolldecken und Tüchern. Ich war zwar langsam, aber stolz, als das Zimmer fertig war.

Leider werden wir oft ausgenützt. Wir bekommen am wenigsten gezahlt obwohl wir die meiste Arbeit verrichten. Die schwere Arbeit wird kaum gewürdigt und wir wohnen meist zu viert oder fünft in ungeheizten Kammern unter dem Dach.

Zimmermädchen Emma

Ich bin es gewöhnt anzupacken und schaffe jeden Tag zwischen 14 und 16 Zimmer trotz Rückenschmerzen. Es ist ein ständiger Kampf gegen den Staub der immer wieder auf die Möbel rieselt, obwohl ich sie gerade erst poliert habe.

Nun wartet noch das Zimmer 64 auf mich, das letzte für Heute. Was für ein Durcheinander! Das Bett ist zerwühlt, am Boden liegt ein Abendkleid, eine Federboa, ein Schlangenledergürtel und das Nachthemd. Wir Zimmermädchen lernen den Gast am besten kennen. Wir sehen wie er lebt, kennen seine persönlichen Dinge, seine Vorlieben und Schwächen.

Auf der Ablage oberhalb des Waschbeckens türmen sich Cremetiegel, Flakons… Ich wische darum herum. Es ist nie ganz eindeutig, was zum Müll und was dem Gast gehört. Ich mag nichts hochheben, aus Angst etwas kaputt zu machen….

Ruth Engl – Vermittlung

Berufliche Werdegänge – Hans Kreid (Teil 3)

Die Sommersaisonen 1901 und 1902 verbrachte Hans Kreid  wieder im Trafoi-Hotel, unter Direktor S. F. Homburger. Er war nun auch in der Personalhierarchie vom 2. Hotelsekretär zum 1. Sekretär aufgestiegen und zählte zur Gruppe der besserverdienenden Hotelangestellten.

Hans Kreid erhielt monatlich 150 Kronen Gehalt plus 50 Kr. monatliche Gratifikation, die jedoch erst Ende der Saison ausbezahlt wurde.

Arbeitszeugnis von 1901

Arbeitszeugnis von 1902

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansichtskarte von Helouan

 

Im Winter 1903 ging er wieder nach Helouan, musste aber aufgrund des Todes seines Vaters, Johann Kreid, der am 28. November 1903 überraschend verstarb, nach Innsbruck zurückkehren, um das Hotel Kreid zu übernehmen.

 

Hotel Kreid, Innsbruck, nach einem Aquarell von F.A.C.M. Reisch

In den folgenden Jahren führte Hans Kreid das Innsbrucker Hotel erfolgreich und wurde dabei von Direktor Michael Mihatsch unterstützt, der wenige Jahre nach dem Tod von Johann Kreid, vermutlich im Jahr 1906, ins Hotel Kreid gekommen sein dürfte.

Michael Mihatsch hatte seine Laufbahn in Wien begonnen und wie Hans Kreid hatte er sich durch langjährige Tätigkeit im Ausland (London, Paris, Rom, Genf und Ägypten) reiche Sprach- und Fachkenntnisse angeeignet. Er gehörte seit 1900 dem Internationalen Genfer Verband an, einer weltumspannenden Standesvereinigung der Hotelangestellten, die 1877 in Genf gegründet wurde. 1931 feierte Mihatsch sein 25-jähriges Jubiläum im Hause.

Nach dem Tod der Mutter 1924 wurde das Hotel als offene Handelsgesellschaft geführt, deren Gesellschafter Hans Kreid und seine Schwester Maria Kreid verh. Andreatta waren.

 

 

Als Hans Kreid 1955 unverheiratet verstarb, vererbte er seine Hotelhälfte der Familie Liensberger/Eimannsberger, der er zeitlebens eng verbunden war.

 

Hans Kreid im Kreis der Familie Liensberger

 

Das Hotel Kreid war nach dem 2. Weltkrieg das am längstens von der Besatzung belegte Haus in Innsbruck. 1955 wurde es umgebaut.  Aber 1971 wurde es dann gänzlich abgerissen und an seiner Stelle entstand ein Neubau.

Karin Maringgele – wissenschaftliche Mitarbeiterin

150 Jahre Brennerbahn

Keine Blasmusik, keine Festreden, kein Böllerschießen: Ohne jede Feierlichkeit ging am 24. August 1867 die Brennerbahn in Betrieb. Im Juni war in Mexiko Kaiser Maximilian, ein Bruder Franz Josephs, erschossen worden. Österreich befand sich in Hoftrauer. Auf die Eröffnung der Brennerbahn wies deshalb nur ein schlichtes Zeitungsinserat der Südbahngesellschaft hin.

200 Tote für 125 Kilometer

Beim Bau der Bahnlinie über den Brenner waren 20.600 Arbeiter beschäftigt, ca. 14.000 kamen aus Italien. Sie lebten in Baracken entlang der Strecke. Die Arbeit war extrem schwer, die Ernährung mangelhaft, für die Sicherheit wurde wenig getan. Die Zahl der Todesfälle an der Brennerstrecke wurde auf über 200 geschätzt, genaue Zahlen gab es nie.

Zwei Schleifen als Attraktion

An der Brennerbahn wurde, wo immer es möglich war, auf teure Stützmauern und aufwändige Viadukte verzichtet. Mit nur 22 Tunnels und zehn Brücken kostete sie nur halb so viel wie die Semmeringbahn. Zur Überwindung der Höhendifferenz wurden an der Nord- und Südrampe zwei lange Schleifen eingezogen. Diese Kehrtunnel bei St. Jodok und im Pflerschtal galten als technische Sensation.

Ein teures Vergnügen

Dank der kürzeren Fahrzeiten war das Reisen im Zug zwar preisgünstiger als in der Kutsche. Doch auch das Vergnügen der Bahnreise konnten sich nur Wohlhabende leisten. Eine einfache Fahrt II. Klasse von Innsbruck nach Bozen kostete fünf Gulden – den Wochenlohn eines Arbeiters.

Soirées dansantes im Deuster-Saal

Dieser Festsaal entstand 1898/99 durch die anspruchsvolle Erweiterung des Osttraktes des Schlosses unter Friedrich von Deuster aus Bayern (Schlossbesitzer ab 1896/97) und wurde in neubarockem Stil ausgestattet, mit einem porphyrverkleideten Kamin und Stuckornamenten. Die Eckputten auf dem Gesims unter dem freskierten Spiegelgewölbe, die durch ihre Attribute die Schönen Künste symbolisieren, bezeugen immer noch von den amüsanten Soireen, die hier stattgefunden haben müssen und von denen in der Presse des frühen 20. Jahrhunderts berichtet wird, dass sie manchmal um 9 Uhr begannen und erst nach 2 Uhr endeten. Alles in diesem Saal weist auf die Lebensfreude hin: Eine der Amoretten beobachtet zufrieden ihr eigenes Spiegelbild, eine andere spielt mit gekreuzten Beinen Flöte, eine weitere spielt heiter die Äolsharfe, während die letzte, ihre Füße fröhlich bewegend, Pinsel und Palette in den Händen hält. Weitere Putten auf dem Gesims in der Mitte, zwei pro Längsseite, schwingen paarweise ein herabhängendes Blumen- und Blätterband. Das Ganze wird von dem zentralen Fresko des Apollon mit den Grazien zur Vollendung gebracht.

Das Echo der einstigen Musik- und Dichtungsabende hallt noch in diesem jetzt fast leeren Raum. Heute beleben ihn  Museumsbesucher und Museumsbesucherinnen.

Francesca Taverna

Das Morgen von gestern – Zukunftsvision einer Reise nach Meran

Ein von der Meraner Zeitung unter dem Titel „Meran in zehn Jahren“ abgedruckter Brief von 1907 bringt uns zurück in die Zukunft. Er zeigt, wie sich ein Reisender Meran vor genau 100 Jahren vorstellte – sein Morgen ist unser Gestern.

Meraner Zeitung vom 14. April 1907

Verfasst im Jahr 1907, berichtet der anonyme Reisende von „wesentlichen Veränderungen“, die zehn Jahre später „den Reiz des früher schon so schönen und der Gesundheit zuträglichen Meran noch erheblich gesteigert“ hätten: Von Berlin aus ist Meran bequem mit der Eisenbahn zu erreichen – durch einen fünf Kilometer langen Tunnel unter dem Jaufen hindurch und dann durch den Küchelberg zum Meraner Bahnhof. Damit die Bahn die extremen Höhenunterschiede zwischen Sterzing und St. Leonhard überwinden kann, wird sie elektrisch betrieben. Die Kraft dazu wird aus einem gewaltigen Elektrizitätswerk gewonnen, für das man die Passer direkt oberhalb der Gilfenklamm mit einer 40 Meter hohen Mauer aufgestaut hat. Von dieser aus bietet sich ein herrlicher Blick auf den künstlichen See, der von Motor- und Ruderbotten belebt wird und noch dazu zu einer Verbesserung der Luftfeuchtigkeit in der Kurstadt beiträgt.

„War Meran schon früher schön“, schreibt der anonyme Verfasser, „so hat es verstanden, sich nicht nur auf der Höhe zuhalten, sondern sich den gesteigerten Ansprüchen der Neuzeit und der Erholungsbedürftigen anzupassen.“

Inv. Nr. 4080943, Sammlung Touriseum

Eine Zukunftsvision, die sich möglicherweise sogar bewahrheitet hätte, wäre da nicht etwas ganz anderes dazwischengekommen. Hätte der Reisende Meran im Jahr 1917 besuchen wollen, so wäre ihm das nicht einmal erlaubt worden. Der damalige Bürgermeister, Josef Gemaßmer hatte nämlich in genau diesem Jahr verordnet, dass nur mehr in Meran Ansässige die Kurstadt betreten durften. Denn Meran war zu einer Lazarettstadt geworden und die Lebensmittel wurden knapp. Die Einheimischen sahen nicht länger ein, warum sie für ihr Essen anstehen mussten, während den in den Meraner Hotels verbliebenen Kurgästen immer noch Speisen aufgetischt wurden.

… Erster Weltkrieg anstatt Bootsfahrten auf der Passer…

Ausstellungskatalog, erhältlich im Touriseum

(Mehr über den Tourismus im südlichen Tirol während des Ersten Weltkriegs gibt’s in unserem Ausstellungskatalog „Tourismus & Krieg“.)