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Wer kennt URRI?

Von Karin Maringgele

Bei Temperaturen um die 30 Grad und mehr muss man sich im heißen Lenhart-Saal originelle Strategien ausdenken, um sich abzukühlen. Meine Tochter spricht immer von der „inneren Kühlung“, die Not tun würde, um ihren Wunsch nach einem Riesen-Eis zum Ausdruck zu bringen.

Ich hingegen beschäftige mich mit dem Schutzpatron der Skifahrer und Wintersportler und die Gedanken an viel Schnee, Skifahren und skandinavische Götter des Winters verschaffen ein wenig Abkühlung.

Wie kam’s dazu?

Im Zuge der Katalogisierung verschiedener Plaketten, Anstecknadeln und Schlüsselanhänger bin ich auf zwei Anhänger an einem Lederband gestoßen. Ein Anhänger zeigt die „Madonna delle Nevi“ auf einer Seite und den Karerpass auf der anderen.

Der andere Anhänger ist sechseckig, stellt eine Figur mit einer Lanze in der Hand und Skiern oder Schneeschuhen an den Füßen dar und trägt die Inschrift „URRI“. Auf der Rückseite findet sich die Inschrift „Mein Schutzpatron bei Ski- und Bergfahrten“.

Urri

URRI, Schutzpatron der Skifahrer? Schon mal davon gehört?

Nach einigen Recherchen im WWW bin ich auf „Ullr“ oder „Ull“  oder „Uller“ gestoßen, der in der nordischen Mythologie der Gott des Winters, des Skilaufens, der Jagd, des Bogenschießens u.v.m. ist und meist auf Skiern und mit einem Bogen in der Hand dargestellt wird. So zum Beispiel:

Ullr Kopie

Aber wie wird aus „Ullr“ URRI? Handelt es sich um eine (Süd-)Tiroler Abwandlung dieses „Ullr“?

Gibt es heute noch Skiläufer/-innen, die Ullr – oder Urri-Talismane mit sich führen?

Ich bin für Hinweise dankbar!

Karin

Aktion “Die Gäste und wir” – Der Bierkrug

Seit Februar besucht das Touriseum Seniorenclubs in Südtirol. Bei den Treffen erzählen Seniorinnen und Senioren anhand von mitgebrachten Objekten von ihren Begegnungen mit den Touristen im eigenen Land.

Die Erinnerungen von Anna Anrather aus Bozen haften an einem Bierkrug.

Bierkrug

Als junges Mädchen arbeitete Frau Anna Anrather beim Rösslwirt in Bozen. Beim Anblick des feschen Sohnes einer Gastfamilie aus München klopfte ihr Herz damals laut und stürmisch…

Zum Abschied schenkten ihr die Bayern einen Bierkrug mit der Aufschrift: „München-Weltstadt mit Herz“ und ahnten nicht, dass es Annas Herz war, das die Weltstadt für ein gutes Weilchen gefangen hielt. Der junge Mann ist übrigens wieder beim Rössl-Wirt eingekehrt – mit seiner Braut. Aber den Bierkrug hat Anna noch immer, als Erinnerung an eine Jugendschwärmerei.

Darauf durfte ein gut ausgerüsteter Tourist im Jahr 1908 nicht verzichten

Eine der neuesten Errungenschaften des Touriseums sind mehrere Ausgaben der Österreichischen Touristen-Zeitung aus den Jahren 1904 bis 1908.

Touristenpflaster

Kurios sind dabei vor allem die zahlreichen Werbeanzeigen auf den letzten Seiten der Zeitung. Sie verraten einiges über die damals angemessene Bekleidung und Ausrüstung für Touristen: von eigenen Touristenpflastern und wasserdichten Wetterkrägen bis hin zur schicken Touristenkappe.

TouristenKappe

Alles neu macht der Mai!

Seit heute ist die neue Homepage der Kulturgüter in Südtirol online! Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich birgt das neue KIS-Portal einige Neuheiten. Neben der nun erleichterten und optisch attraktiver gestalteten Online-Objektrecherche in den Beständen der Südtiroler Museen, gibt es ab sofort auch virtuelle Ausstellungen zu entdecken. Den Anfang macht unter anderem eine Menükartenschau aus der Sammlung des Touriseums. Viel Spaß beim Stöbern!

Eine kleine aber feine Reise in die Vergangenheit anhand von Stempeln…

von Karin Maringgele

Beim Eintragen mehrerer Neuzugänge in unsere Objekt-Datenbank, stoße ich auf ein Werbeprospekt des Hotel Post in St. Anton am Arlberg.

Auf der Vorderseite befindet sich ein nur zum Teil lesbarer Stempel/Aufdruck, der meine Neugierde weckt:

Reise1

„Ufficio viaggi (…) & (…) Biedermann (…)ano R(…)se(…)o“

Ein Bankhaus mit Wechselstube „D. & J. Biedermann“ gab es in Meran von 1832 bis 1932. Aber ein gleichnamiges Reisebüro?

Die Suche in unserer Datenbank spuckt ein interessantes Objekt aus: Inventarnummer 4081969: eine Reise-Coupon-Mappe des „Welt Reise Bureau Thos. Cook & Son“. Zwischen der goldfarbenen Schrift auf der Vorderseite klebt ein kleineres, rotes Logo: „D. & J. Biedermann – Bankgeschäft – Meran“.

War das Bankhaus also nicht nur im Wechselgeschäft sondern auch im Reisegeschäft tätig?

Die Coupon-Mappe muss her!

Im Inneren der Mappe finden sich zwar keine Coupons mehr, aber ein Antragsformular zum Abschluss einer Reise-Unfall-Versicherung und auf der letzten Seite wieder ein Stempel:

Reise2

„D. & J. Biedermann Bank – & Wechsel – Geschäft Meran – Agentur von Thos. Cook & Son Weltreisebureau“

Und eine Liste aller Filialen und Correspondenten der Thomas Cook & Son.

Reise3

Das Bankhaus war als Unteragentur tätig, die nur zur Verausgabung von Fahrkarten und Reisecoupons berechtigt war.

Und damit schließt sich auch der Kreis zum Hotel-Prospekt von St. Anton und die Frage der Datierung. Da das Bankhaus 1932 schloss, war vermutlich auch die Funktion als Reiseagentur ab diesem Datum beendet.

Das Prospekt des Hotel Post, 1928 von Clemens Holzmeister umgebaut, muss vor 1932 mit dem Stempel des Reisebüros Biedermann versehen worden sein.

Vielen Dank an den Schenker, Gerd Reinstadler, der diese kleine Reise in die Vergangenheit ermöglicht hat.

Reise4