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150 Jahre Brennerbahn

Keine Blasmusik, keine Festreden, kein Böllerschießen: Ohne jede Feierlichkeit ging am 24. August 1867 die Brennerbahn in Betrieb. Im Juni war in Mexiko Kaiser Maximilian, ein Bruder Franz Josephs, erschossen worden. Österreich befand sich in Hoftrauer. Auf die Eröffnung der Brennerbahn wies deshalb nur ein schlichtes Zeitungsinserat der Südbahngesellschaft hin.

200 Tote für 125 Kilometer

Beim Bau der Bahnlinie über den Brenner waren 20.600 Arbeiter beschäftigt, ca. 14.000 kamen aus Italien. Sie lebten in Baracken entlang der Strecke. Die Arbeit war extrem schwer, die Ernährung mangelhaft, für die Sicherheit wurde wenig getan. Die Zahl der Todesfälle an der Brennerstrecke wurde auf über 200 geschätzt, genaue Zahlen gab es nie.

Zwei Schleifen als Attraktion

An der Brennerbahn wurde, wo immer es möglich war, auf teure Stützmauern und aufwändige Viadukte verzichtet. Mit nur 22 Tunnels und zehn Brücken kostete sie nur halb so viel wie die Semmeringbahn. Zur Überwindung der Höhendifferenz wurden an der Nord- und Südrampe zwei lange Schleifen eingezogen. Diese Kehrtunnel bei St. Jodok und im Pflerschtal galten als technische Sensation.

Ein teures Vergnügen

Dank der kürzeren Fahrzeiten war das Reisen im Zug zwar preisgünstiger als in der Kutsche. Doch auch das Vergnügen der Bahnreise konnten sich nur Wohlhabende leisten. Eine einfache Fahrt II. Klasse von Innsbruck nach Bozen kostete fünf Gulden – den Wochenlohn eines Arbeiters.

Im Ei auf Reisen

Der Kühlschrank- und Motorradhersteller Iso aus Bresso bei Mailand präsentierte 1953 auf dem Automobilsalon in Turin ein seltsames Gefährt. Es war kaum länger als ein Motorrad, die hinteren Räder standen eng beisammen und zum Ein- und Aussteigen ließ sich das Vorderteil samt Lenkrad zur Seite klappen. Das ulkige Ding mit dem Namen Isetta kam zunächst in kleiner Stückzahl in Italien auf den Markt, in eigenen Varianten auch in Frankreich, Brasilien und später auch in England. Als 1954 BMW die Lizenz zum Nachbau erwarb, wurde es schnell zum Symbol beginnender deutscher Reiselust.

Die Isetta bot zwar nur zwei Fahrgästen Platz, und auf dem Motorkasten hinter den beiden Sitzen ließ sich allenfalls ein sehr kleiner Koffer verstauen. Doch das rollende Ei schutzte vor Wind und Regen, lief in der Ebene uber 80 Stundenkilometer schnell, den Brenner hinauf immerhin noch 40 und erreichte zuverlässig die noch leeren Strände des Mittelmeers. Zudem kostete die Isetta deutlich weniger als ein Volkswagen. Aber schon 1959, als mit dem Bau der Brennerautobahn begonnen wurde, kündigte sich das Ende der Isetta an: Mit gestiegenem Einkommen bevorzugten die Deutschen lieber größere Autos. 1962 stoppte BMW nach uber 160000 Stück die Produktion des Kleinwagens und stieg in die sportliche Mittelklasse ein.

Bis heute aber ist die Isetta ein Symbol der Fünfziger.

Musikalisches aus unserer Sammlung

Heute möchte ich ein kleines Schmuckstück aus unserer Sammlung vorstellen:

Das Columbia Viva Tonal Grafonola Nr. 201, ein tragbares und somit reisetaugliches Grammophon der Marke Columbia aus den 1930er Jahren in einem „handlichen“ Koffer – nicht wirklich, der Koffer wiegt ca. 7 kg – mit Tragegriff an der Seite.

Nun ist unser Schmuckstück zwar gute 80 Jahre alt …. ABER immer noch funktionstüchtig!

Dank des Plattenalbums, das sich im Kofferdeckel befindet, stehen uns auch schöne alte Schellack-Platten zur Verfügung.

Wir suchen uns eine Schallplatte des Labels DECCA Italien aus, nämlich das  „Harry Lime – Theme“ von Anton Karas, komponiert für den Film „Der dritte Mann“.

Harry Lime

Es kann losgehen: Mit der versenkbaren Kurbel auf der Vorderseite das Werk aufziehen, den Hebel auf der linken Seite des Plattentellers lösen, vermutlich eine Art Transportsperre, Platte auflegen, Tonarm aufklappen und …

… hier eine kleine Kostprobe:

Nach der Recherche im Internet weiß ich jetzt auch, wofür die vielen Grammophon-Nadeln im runden kleinen Behälter vorne rechts nötig sind bzw. waren: Es handelt sich bei diesen Nadeln nicht um Dauernadeln, sondern nach jeder Plattenseite sollte die Nadel gewechselt werden.

Hier noch eine historische Werbeanzeige des Grammophons mit den technischen Daten:

4085307_Grammophon

von Karin Maringgele

Hintergrundinfos: http://grammophon-platten.de/